HARPSTEDT - Als Alfred Radke sich für die Parteipolitik entschied, war in Deutschland „der Wiederaufbau bittere Realität“, erinnerte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Klaus Budzin: ein Wiederaufbau, den Radke in der Wirtschaft – als Mitarbeiter des Fahrzeugherstellers Borgward – wie in der sozialdemokratischen Partei miterlebte, der er 1951 beitrat. Und der er treu blieb: Am Dienstag wurde der 80-Jährige bei der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins in der „Wasserburg“ für 60-jährige Mitgliedschaft geehrt. Budzin überreichte ihm die Ehrennadel und die von Parteichef Sigmar Gabriel unterzeichnete Urkunde im Beisein von SPD-Bundestagsabgeordnetem Holger Ortel und Landrat Frank Eger. „Es ist schön, dass es Menschen wie dich gibt, die nicht beim ersten Sturm im Wasserglas die Flinte ins Korn werfen“, würdigte Budzin den in Westpreußen Geborenen und seit 1947 im Flecken Lebenden, der 20-jährig zur SPD kam.

Nicht nur Händeschütteln, auch motivierendes Schulterklopfen war bei den Sozialdemokraten angesagt, die sich auf die Kommunalwahl am 11. September einstimmten. Ein Wahlkampfteam ist gebildet, die Kandidatensuche läuft. „Es ist problematisch“, verhehlte Budzin nicht, dass es nicht einfach sei, Interessierte für Ratskandidaturen zu finden. Die Aufstellung der Kreistagskandidaten, zunächst für Dienstag avisiert, soll im März erfolgen; die Wahllisten für Flecken- und Samtgemeinderat sollen „vor den Sommerferien“ stehen, so Budzin. „Wer sich für die Samtgemeinde interessiert, kommt an der SPD nicht vorbei“, gab er sich kämpferisch.

Viel diskutierte Themen in der Sitzung, die im Wahljahr weiter obenan stehen, waren das Delmeschwimmbad, für dessen Erhalt sich die SPD einsetzt, die gewünschte Integrierte Gesamtschule (IGS) in Harpstedt sowie Biogas. „Droht ein Harpstedt im Maise? Ich sage: ja“, so Budzin. Die Landwirtschaft werde gebraucht; die SPD wünscht sich aber Regulierungsmöglichkeiten durch Planung. Sie wartet auf Bearbeitung ihres Antrags vom November, ähnlich wie bei Windkraft geeignete Gebiete für den Bau von Biogas- und Massentierhaltungsanlagen vorzusehen. Weiter zuversichtlich gab sich die SPD bei der IGS: „Wir gehen davon aus, dass wir die IGS kriegen“ , so Budzin. „Der Druck der Eltern war und ist das schlagkräftige Argument.“ Für Harpstedt gehe es um den Standort, um nicht irgendwann eine Ruine zu haben, so Kreistagsmitglied Heinz-Jürgen Greszik. Landrat Eger sprach den zurzeit uneindeutigen Rechtsrahmen an nach Auslaufen einer Verordnung des Kultusministeriums und noch ausstehender Folgeverordnung. Eger zufolge könnte es womöglich eine Ausnahmeregelung mit Vierzügigkeit, aber unveränderter Jahrgangsstärke von 130 Schülern geben. „Das allein nutzt uns nichts.“