Harpstedt - Wenn in der Harpstedter Oberschule – wie am vorigen Freitag – eine Entlassfeier stattfindet und Abschlusszeugnisse überreicht werden, dann sind die Jugendpfleger Annelen Voß und Markus Pieper immer mit im Publikum. „Wir begleiten viele seit der 5. Klasse“, erklärt Pieper. Zu einigen der Schüler hat er „ein sehr starkes Vertrauensverhältnis“, er weiß auch, wie sie in der Schule stehen, was sie bewegt, freut sich mit, wenn sie (manchmal knapp und mit einigen Mühen) den Abschluss schaffen. NWZ-Redakteur Karsten Kolloge bat den Jugendpfleger zur Kickerpartie – und zum Berichten aus seinem Job.
Eigentlich, so sagt der gebürtige Ostfriese, sei er Soziologe. Nach bestandener Diplomprüfung hatte er an der Uni Bremen an einem Forschungsprojekt gearbeitet. Als das Projekt wegen mangelnder Finanzierung nicht verlängert wurde, kam er durch Bekannte zur Sozialarbeit, war in einer Notunterkunft für obdachlose Drogenkonsumenten in Bremen tätig. „Hart“ sei dieser Job gewesen. Wie hart, wird deutlich, als er beschreibt, wie sich die damalige Tätigkeit von seiner im Jahr 2010 begonnenen Arbeit in der Jugendpflege Harpstedt unterscheidet: „Seit acht Jahren hab’ ich keinen wiederbelebt, keiner ist mit dem Messer auf mich zugegangen.“
Was die Arbeit in Harpstedt ausmacht? „Das hier ist zukunftsorientiert. Wir begleiten Jugendliche auf ihrem Weg ins Leben.“
„Offener Treff“ nennt sich das Angebot in der alten Harpstedter Delmeschule. Das ermögliche eine „sehr große Bandbreite, was man machen kann“. Aktuell kämen etwa 80 Jugendliche, manche häufiger, andere seltener.
„Der Gesetzgeber sagt: Es muss einen Bereich geben, in dem Jugendliche ,ungefordert’ sind“, beschreibt der Jugendpfleger den offenen Treff. „Im Rahmen dessen, was die Hausordnung hergibt“, könne hier jeder machen, was er will, natürlich auch Grenzen erfahren. Es sei aber beileibe nicht so, dass an der Schulstraße 25 permanent Grenzen überschritten werden: „Das ist vielleicht zwei, drei Mal im Jahr, dass ich lauter werden muss.“
Mit manchen der Jugendlichen sei er im Austausch, mit anderen nicht. „Wenn jemand nur hier sein will, dann darf er das auch. Jeder wird so akzeptiert, wie er ist.“ Allerdings gebe es auch Fälle, in denen seine Einmischung gefragt sei, sagt Pieper und erzählt von Jugendlichen, die mit Koffern vor ihm standen und nicht zurück zum Vater wollten.
Übrigens: Das Match im Kickern hatte ein eindeutiges Ergebnis. 10:2 für Pieper.
