Harpstedt - Er habe schlechter geschlafen als in der Nacht zuvor, sagte Herwig Wöbse (CDU) am Tag nach der Samtgemeindebürgermeisterwahl – die Aufregung des Abends habe ihm wohl in den Knochen gesteckt. Dabei sah es für die CDU am Sonntag schon nach der Auszählung der ersten Wahllokale sehr gut aus, in fünf Lokalen holte er gleich mehr als 50 Prozent, in Horstedt waren es sogar 65,6 Prozent.

Wesentlich mehr zittern mussten Klaus Budzin (SPD) und Ingo Fichter (unabhängig), die das Rennen um Platz zwei unter sich ausmachten, vor allem im Flecken lagen beide nah beieinander. Budzin holte sein bestes Ergebnis mit 29,4 Prozent im Feuerwehrhaus Harpstedt, Ingo Fichter seines mit 31,5 Prozent in Beckeln.

Götz Rohde (Grüne) lag in Winkelsett mit 16,5 Prozent vor Budzin und Fichter. Der deutlich abgeschlagene Ulrich Kammermeier-Gaber (FDP) kratzte in Klosterseelte mit 4,9 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Marke und erreichte in Colnrade gar nur 0,3 Prozent.

Für Herwig Wöbse geht der Wahlkampf jetzt direkt weiter: Er werde in den kommenden Wochen weiter das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen, sagte er am Montag. Rein rechnerisch sei er zwar sicher in der Favoritenrolle, auf diesem Erfolg dürfe man sich aber keinesfalls ausruhen. Aktiv um Unterstützung bei den ausgeschiedenen Kandidaten werben will Wöbse nicht, die Unterstützung durch eine Partei schade nicht, es gehe aber um eine Personenwahl und die Entscheidung treffe der Wähler, so der CDU-Mann. Gespräche mit den anderen Kandidaten und Parteien werde es sicher weiter geben, so Wöbse, und es habe sie auch während des gesamten Wahlkampfes gegeben, der sehr fair verlaufen sei. Gemeinsam mit der SPD will Klaus Budzin an diesem Dienstag klären, wie der Wahlkampf weitergehen soll. Er lege Wert darauf, dass auch jetzt nicht mit der Giftspritze gearbeitet wird. „Ich möchte mit allen Beteiligten auch später weiter arbeiten können“, sagt er.

Das unterstreicht auch Götz Rohde. Alle Kandidaten seien sehr fair miteinander umgegangen. „Hätten wir hier Bedingungen wie in Wildeshausen gehabt, hätte ich mir eine Kandidatur sicher nicht angetan“, so Rohde. Er hoffe, bei der Kommunalwahl in zweieinhalb Jahren das Ergebnis der Grünen noch ausbauen zu können – eine erneute Kandidatur um das Amt des Samtgemeindebürgermeisters in sieben Jahren schließe er nicht aus, sagte Rohde.

„Wunden lecken“ ist bei FDP-Kandidat Ulrich Kammermeier-Gaber angesagt. „Natürlich hätte ich gerne mehr Stimmen gehabt. Aber die Wähler wollten meine Ideen nicht, dass muss ich akzeptieren.“ Seine Ankündigung, im Falle seiner Wahl dauerhaft die Hälfte seines Gehalts zu spenden, habe durchaus polarisiert, gab Kammermeier-Gaber zu. Sein Anliegen sei aber ehrlich gewesen.

An seinen Schreibtisch in den Amtshof ist Ingo Fichter am Dienstag zurückgekehrt und diesen Platz möchte er gerne auch nach dem Amtsantritt des neuen Bürgermeisters behalten. „Ich habe einen Super-Job und kann mir gut vorstellen, dass weiter zu machen. Natürlich muss man abwarten, was der neue Bürgermeister dazu sagt.“ Die Welt gehe wegen der verlorenen Wahl jedenfalls nicht unter – und dank des fairen Wahlkampfes könne er mit jedem der anderen Kandidaten auch weiter gut zusammenarbeiten.