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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Harpstedt

Jahrestag: Zwei Paare kamen wie durch Wunder mit Leben davon

21.02.2013

Harpstedt Am 21. Februar 1943 – vor 70 Jahren – erlebten der Flecken Harpstedt und die umliegenden Dörfer den schwersten Luftangriff im II. Weltkrieg. Den Sonntagabend und die Folgen des Bombenangriffes beschreibt Dirk Heile im Band II der Chronik der Samtgemeinde: „Es war eine stark nebelige Nacht. Um 20.20 Uhr heulten die Sirenen, und in den folgenden 35 Minuten, die den verängstigten Bewohnern in den Kellern aber wie eine Ewigkeit vorkamen, regnete es Spreng- und Brandbomben und Luftminen über Harpstedt und seine Umgebung. Im Flecken blieb kaum ein Haus ohne Schaden. 26 Wohnhäuser waren völlig zerstört und 38 schwer beschädigt und größtenteils unbewohnbar. 46 Familien mit zusammen 109 Personen waren obdachlos.“

Eine enorme Wirkung hatte die Luftmine, die im Garten des II. Pfarrhauses aufschlug und fast alle Häuser im Viereck II. Kirchstraße/Grüne Straße/Logestraße/Lange Straße zerstörte. Auf einem vom Kirchturm aufgenommenen Foto ist zu erkennen, dass die Werkstatt der Tischlerei von Fritz Free „platt“ ist.

Auch in den umliegenden Dörfern richteten Brand- und Sprengbomben erhebliche Schäden an: In Klein Köhren brannte das Bauernhaus von Familie Kimme sowie zwei Scheunen nieder. In Horstedt und Kirchseelte wurden jeweils zwei Häuser völlig zerstört, andere schwer beschädigt. In der „Chronik der Gemeinde Dünsen“ ist die Auflistung von Bürgermeister Heinrich Rogge abgedruckt: „26 schwerste Sprengbomben und Luftminen und sehr viel Phosphor- und Stabbrandbomben fielen auf die Gemeinde. Der Hof von Fritz Dannemann wurde durch eine Luftmine getroffen. Wohnhaus, Viehstall, Schweinestall und zwei Scheunen total zerstört. 10 Kühe, 2 Pferde, mehrere Stücke Kleinvieh tot. Haus von Bernhard Henneke nebst Viehstall und Scheune durch schwere Bombe total zerstört.“

Die Zahl derjenigen, die den Sonntagabend erlebten, ist klein geworden. Ich war damals 14 Jahre alt. Das halbstündige Bombardement haben wir in Dünsen mit zwölf Personen – unsere Nachbarfamilien Precht und Sudmann, meine Eltern, ich und Prechts junger Pole Thaddäus – in unserem kleinen Keller zittern vor Angst erlebt.

In den Büchern steht, dass es nur einen Toten gab, den 61-jährigen Hermann Horst. Im Bericht des Dünsener Bürgermeisters von 1943 steht aber auch: „Ein Pole tot.“ Ich weiß noch genau: Das war Dannemanns Boleg. Als ich 1989 zur Erinnerung an den Kriegsbeginn vor 50 Jahren mit dem damaligen Standesbeamten Günter Osmer nach Kriegstoten forschte, erklärte Osmer: „Die Russen und Polen wurden nicht in deutsche Standesamtsbücher eingetragen, die stehen auf einer Kriegsgräberliste.“ Dort ist auch „Boleg“ eingetragen: Boleslaw Drowsdowski, geb. 8.4.08, Todestag/Todesort 21.02.43 Dünsen.

Aber selbst im größten Unglück hatten Menschen Glück: Oma und Opa Dannemann in Dünsen und Oma und Opa Free in Harpstedt waren nicht im Keller. Sie überlebten in ihren Wohnzimmern die Explosion der Luftminen in nächster Nähe.

Dach und Fenster der Christuskirche waren schwer beschädigt. Ich erinnere mich, ebenso wie Johann Schumacher, dass bei unserer Konfirmation im Jahr 1943 die Kirchenfenster mit Brettern vernagelt waren. Zur Grünen Straße hin war sogar das Dach offen.

Noch eines bleibt mir als Kriegserinnerung: Bei den Sonntagsgottesdiensten wurden für die Gefallenen Kränze aufgehängt. Die ganze Empore hing voll!

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