Kirchhatten - „Wir gehen mit – unter” steht auf den Plakaten, die die Frauen vor dem Schuhhaus Knipper in Kirchhatten in die Höhe halten. Franziska Schütte, Inga Müller, Karin Hentschel und Ute Schelberg sind extra gekommen, um gemeinsam mit Inhaberin Hilkea Knipper auf die schwierige Lage hinzuweisen. Wenn der Einzelhandel in Folge der Corona-Pandemie in Schieflage gerät, dann sind schnell auch Arbeitsplätze in Gefahr.
Hilkea Knipper (51) leitet als mittlerweile vierte Familiengeneration das Schuhhaus. Sie hat viel Verständnis für die Aktion, die ein breit aufgestelltes Aktionsbündnis (freundschaftsdienst.eu) initiiert hat. Es steht für alle kleinen, mittleren, großen und nicht organisierten Händler in der Textil-, Schuh- und Lederwarenbranche. Zusammengefasst fordert das Bündnis: Schnelle Hilfen durch Vorabzahlungen wie im ersten Lockdown, unbürokratische Antrags- und Genehmigungsprozesse, faire und angemessene Ausgleichszahlungen.
Schuhgeschäfte, die keiner Kette angehören, stecken in einem Dilemma. Eigentlich drängt jetzt schon die bestellte Ware der Frühjahrs- und Sommersaison ins Haus. Andererseits sind die Lager wegen der erzwungenen Schließung der Läden viel voller als sonst. Seit dem 17. Dezember bleibt das Schuhhaus jetzt schon geschlossen. „Wir haben höchstens 50 Prozent der Ware verkauft“, sagt Hilkea Knipper.
Ihre sieben Mitarbeiter – drei Festangestellte und vier geringfügig Beschäftigte – befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Die Chefin selbst versucht das Beste aus der Situation zu machen und verkauft notgedrungen Schuhe unter freiem Himmel. Über ein Online-Schaufenster auf der Homepage kann sich die Kundschaft umschauen.
Im Idealfall wird daraus ein telefonisch vereinbarter Besuchstermin. „Ich berate gerne schon am Telefon und stelle dann eine Auswahl zusammen“, erzählt die Geschäftsfrau. In den Laden darf sie niemanden lassen. Doch der überdachte Nebeneingang bietet zumindest immer einem Kunden bzw. einem Haushalt die Gelegenheit, in einem Stuhl Platz zu nehmen und Schuhe anzuprobieren.
Unterkriegen, das ist klar, lässt sie sich nicht. Aber: „Viele Einzelhändler bangen unverschuldet um ihre Existenz und damit auch deren Mitarbeiter“, sagt die Kirchhatterin. Kein Verständnis hat sie für Ungleichbehandlungen: Wenn zum Beispiel in großen Verbrauchermärkten noch Schuhe verkauft werden. „Und ich darf nicht einmal meine Kinderabteilung öffnen, obwohl die vom Rest des Ladens getrennt wäre“, erzählt sie. Und gerade bei dieser Kundschaft drücke jetzt im wahrsten Sinne der Schuh. „Kinderfüße wachsen auch in der Pandemie weiter.“
