KIRCHHATTEN - Von einer „Zirkusveranstaltung“ sprach CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Schulze mit Blick auf das Hin und Her rund um den Tagesordnungspunkt 8 der jüngsten öffentlichen Sitzung des Hatter Gemeinderates am Mittwochabend im Rathaus in Kirchhatten. Dabei ging es um den Antrag der Waldschule auf Umwandlung in eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Tatsächlich hatte der Schulausschuss zwei Wochen zuvor eine solche Umwandlung mit 13 Ja- und zwei Neinstimmen befürwortet. Der Verwaltungsausschuss (VA) setzte den Punkt ab. Die CDU, die nach Schulzes Worten noch viele ungeklärte Fragen sieht, beantragte, den Punkt auch im Rat von der Tagesordnung zu nehmen, scheiterte aber an der Mehrheit aus SPD, FDP und Grünen. Danach wurde die Sitzung für eine nicht öffentliche Zusammenkunft des VA unterbrochen. Auch die CDU beriet sich noch einmal.

Nach einer halben Stunde ging es weiter. Hans-Hermann Siemers stellte für die SPD/FDP-Gruppe den neuen, zuvor im VA beratenen Antrag vor. Darin heißt es: „Die Gemeinde Hatten stellt den Antrag auf Einrichtung einer integrierten Gesamtschule bei der Waldschule in Sandkrug. Der Landrat wird gebeten, das Ansinnen der Gemeinde bei seinem Planungsauftrag zu berücksichtigen. Der Elternwille wird im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigt und ist Voraussetzung für die Einrichtung einer IGS.“ Über eine Kooperation mit anderen Schulen, so Siemers, solle der Kreistag entscheiden.

Schulze hielt mit Blick auf den Gruppenantrag der FDP „spontane Meinungsänderung“ vor (die beiden liberalen Mitglieder hatten im Schulausschuss dagegen gestimmt) und bekam im Gegenzug von Harry Viebrok (SPD) eine „Kehrtwende“ bescheinigt (die CDU hatte im Ausschuss den Antrag noch unterstützt). Der Elternwille sei das entscheidende Kriterium, so FDP-Sprecher Niels-Christian Heins. Man fahre keinen Schlingerkurs.

Drei IGSen im Landkreis seien utopisch, so Schulze. Zudem befürchte er einen neuen Wahlkampf (der SPD) auf dem Rücken der Kinder. Finanzielle, strukturelle und organisatorische Auswirkungen seien noch ungeklärt. Susann Kügler (Grüne) bedauerte, dass der gute Vorschlag des Schulausschusses mit der „positiven Begleitung“ des Antrages durch die Gemeinde und der möglichen Kooperation abgeändert worden sei.

In einer persönlichen Erklärung begründete Heinz Priesmeyer (FDP), dass er sich der Stimme enthalten werde. Er nannte als Gründe die nicht ausreichenden Schülerzahlen für die geforderte Fünfzügigkeit, die offene Raumfrage (die Schule werde nächstes Jahr auf 21 Klassenräume zurückgebaut, brauche aber rund 40 Räume), die Gefahr, dass mehr Schüler mit der Laufbahnempfehlung Gymnasium eine solche Schule besuchten statt der IGS, dass die Realschule geschwächt werde und dass andere Schulstandorte im Landkreis größere Chancen auf eine Gesamtschule hätten als Hatten.

Am Ende wurde der Beschluss mit 18 Ja-Stimmen bei 8 Enthaltungen gefasst.