Hatten - Die Seitenstreifen an Straßen und Wegen können ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten sein und verschiedene Lebensräume miteinander verbinden – wenn sie nach den richtigen Kriterien gepflegt werden.

Wie das geschehen kann, und wo die Gemeinde sich unter Umständen die Seitenstreifen zurückholen muss, die sich schleichend in Ackerflächen verwandelt haben, damit wird sich die Gemeindeverwaltung in den kommenden Monaten und vermutlich Jahren beschäftigen müssen.

Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Umwelt sprach sich einstimmig für einen Antrag der Grünen aus, einen Plan für eine entsprechende Bewirtschaftung der Seitenstreifen erstellen zu lassen. Zunächst soll die Verwaltung aber ermitteln, mit welchem Arbeits- und Kostenaufwand zu rechnen ist.

Nach Meinung von Bürgermeisterin Elke Szepanski wird dieser Aufwand erheblich sein. Die Verwaltung sei personell bereits an der Grenze der Belastbarkeit, diese neue Aufgabe werde man nicht nebenbei erledigen können. „Dann müssen wir Personal aufstocken“, so die Bürgermeisterin. Niels Christian Heins (FDP) regte an, Arbeiten an Fachbetriebe zu vergeben, auch die Orts- und Bürgervereine könnten eingebunden werden. Auch über eine Einbindung von Studenten der Fachhochschule und der Universität wurde diskutiert.

Insgesamt gibt es rund 255 Kilometer Gemeindestraßen und -wege. Auf 154 Kilometer müssten Sträucher und Bäume beschnitten werden, auf 159 Kilometern werde der Seitenraum gemäht, so eine Übersicht der Gemeindeverwaltung.

Vor der Beratung hatte Corinna Kricke vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises über die ökologische Bedeutung der Seitenstreifen und eine angemessene Pflege berichtet. Zu häufig würden die Seitenränder mit Unkrautvernichtungsmitteln behandelt, gemulcht und zum falschen Zeitpunkt gemäht. Auch beim Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern gebe es viele Fehlerquellen. So könnten Hecken durchaus stark zurückgeschnitten werden – so lange dieses nur auf Teilstücken geschehe, um den Tieren weiter einen Rückzugsraum zu bieten.

Die Fachfrau des Landkreises wies außerdem darauf hin, dass richtig gepflegte Seitenräume als Kompensationsflächen für Bauprojekte in Frage kommen.

Johannes Große Beilage (Grüne) und Axel Brammer betonten, die Gemeinde müsse ermitteln, wo Seitenstreifen schleichend immer weiter in Ackerland umgewandelt worden seien. Diese Flächen könnte sich die Gemeinde entweder zurückholen oder Pacht dafür verlangen, um mit dem Geld an anderer Stelle die Biotopfunktion der Seitenstreifen zu stärken.

Manfred Huck (CDU) wies auf das Engagement der Jägerschaft für Blühstreifen hin und erinnerte daran, dass durch zugewachsene Seitenstreifen die Gefahr von Wildunfällen dramatisch steige. Andreas Richter (Bürgerfrische) mahnte an, nicht nur Seitenränder, sondern auch Wallhecken besser zu pflegen.