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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Gemeinden Hatten

„Wir haben bei der Nachricht regelrecht hyperventiliert“

11.04.2018

Sandkrug In der Waldschule Hatten, der einzigen weiterführenden Schule in der Gemeinde, ist Asbest entdeckt worden. Diese Nachricht ist bei der Schulleitung und in der Gemeindeverwaltung „wie eine Bombe eingeschlagen“, so Bürgermeister Christian Pundt. „Wir haben bei dieser Nachricht regelrecht hyperventiliert“, gesteht Konrektor Hans-Gerd Cordes.

Wo befindet sich das entdeckte Asbest?

Betroffen sind akut das Klassenzimmer der 5c (103) und ein Gruppenraum (104). Beide liegen im sogenannten Trakt A, der 1955 errichtet worden ist und mit dem Haupteingang die Front des Gebäudes an der Schultredde bildet. Beide sind sofort nach dem Vorliegen des Ergebnisses einer Untersuchung gesperrt worden.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Luft im Inneren des Gebäudes war und ist nicht kontaminiert. Das haben Messungen des Bremer Umweltinstituts ergeben. Diplom-Biologe Michael Köhler, der an den Messungen und Auswertungen beteiligt gewesen ist: „Das Asbest sitzt an zwei Stellen. Gebunden im Bitumenkleber unter dem PVC-Bodenbelag und in der Spachtelmasse der Decke – unter einer Farbschicht.“ Eine akute Gefährdung für Schüler und Lehrkräfte bestehe deshalb nicht.

Was war der Anlass für die Untersuchung?

Das Bremer Umweltinstitut ist von der Gemeinde eingeschaltet worden, nachdem im Februar in den Räumen 103 und 104 die Geruchsbelastung zum Problem wurde. Schüler und Lehrer hätten über Kopfschmerzen und Übelkeit geklagt, so Cordes. Am 22. Februar gab es deswegen Gespräche zwischen Schule und Verwaltung, eine Woche später nahm das Bremer Institut Luft- und Materialproben. „Es hat gerochen, als ob der Raum in Reinigungsmitteln ertränkt worden sei“, beschreibt Wissenschaftler Köhler seinen Eindruck. Asbest ist dagegen geruchslos. Köhlers Vermutung zur Quelle der üblen Gerüche: Der Weichmacher im alten PVC-Belag zersetzt sich langsam und gibt Isononanol – einen Weichmacher-Alkohol – frei. Ob das zutrifft, wird vom Institut zurzeit anhand der Proben untersucht.

Gibt es weitere gefährliche Belastungen?

Asbest seit 1993 verboten

Asbest wurde wegen seiner vielen praktischen Eigenschaften in so großen Mengen wie kaum ein anderer Werkstoff verwendet – bis er in Deutschland im Jahr 1993 verboten wurde, da er eindeutig krebserregend ist (Quelle: Umweltbundesamt).

Die Waldschule in Sandkrug hat am 15. April 1955 ihre Arbeit aufgenommen. Damals mit 300 Schülern. Heute sind es 721, davon 289 aus Wardenburg.

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind krebserregend, können das Erbgut verändern und haben fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften.

Polychlorierte Biphenyle sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen.

In allen Räumen der Trakte A und B hat das Umweltinstitut Stichproben genommen. Laut Köhler sind weder gesundheitsschädliche Holzschutzmittel noch Formaldehyd, polychlorierte Biphenyle (PCB) oder polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen worden. Sonderlich überrascht ist der Experte von dem Asbestbefund nicht. „Schätzungen gehen davon aus, dass in bis zu 30 Prozent aller Gebäude in Deutschland asbesthaltiges Material verbaut worden ist“, sagt Köhler. Solange dieses nicht durch mechanische Einwirkung zerkleinert werde, bestehe keine Gefahr.

Wie soll das Problem gelöst werden?

Die Gemeindeverwaltung nimmt die aktuelle Situation zum Anlass, mehrere Sanierungsvarianten zu prüfen. Im nichtöffentlichen Verwaltungsausschuss haben die Fraktionen einstimmig zugestimmt, dass ein Architekt entsprechende Pläne entwickelt. Im Raum steht nach NWZ-Informationen nicht nur die reine Sanierung der alten Schultrakte. Im Gespräch ist auch ein Anbau, der die Trakte A und B künftig zweispännig ausbauen würde. Die alte Außenmauer würde dann zur Innenwand für die neuen Räume. Vier zusätzliche Klassenzimmer, zwei Fachräume und Toiletten könnten auf diese Weise hier entstehen. Kostenpunkt inklusive Schadstoffsanierung: etwa 3 Millionen Euro.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Auf der nächsten Sitzung des Schul-, Bildungs- und Kulturausschusses am Mittwoch, 2. Mai, sollen schon erste Ergebnisse vorgestellt und von der Politik diskutiert werden.

Nachdem am Montagabend die Elternvertreter der Jahrgänge fünf und sechs über die Maßnahmen in den Trakten I und II der Waldschule informiert worden sind, wird am Mittwoch, 9. Mai, ein weiterer Abend in der Aula stattfinden. Eingeladen werden alle Eltern der betroffenen Jahrgänge. Bürgermeister Pundt und die Schulleitung stehen dann für Informationen und Fragen zur Verfügung.

In Oldenburg war Anfang August 2017 Asbest in der Raumluft einer Schule festgestellt worden, der Unterricht fiel aus.

Lesen Sie auch:Wie will die Stadt Oldenburg mit Thema Asbest in Schulen umgehen?, NWZ-Artikel vom 10.8.2017

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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