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17. Juni 1953 Menschen für Demokratie sensibilisieren

Kerstin Beier

FRAGE:

Frau Professor Schwan, Sie halten die Gedenkrede zum 17. Juni im Bundestag. Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

SCHWAN

: Mir liegt besonders am Herzen, diesen Tag dadurch zu würdigen, dass man aus diesem Gedenken für die heutige Situation unserer Demokratie lernt.

FRAGE:

Der 17. Juni gerät zunehmend in Vergessenheit. Macht die Politik einen Fehler?

SCHWAN

: Nein, denn das Gedenken an wichtige Tage ist ja auch eine Sache der Gesellschaft. Das kann die Politik der Gesellschaft ja nicht immer vorgeben – und soll es auch gar nicht. Eine demokratische Gesellschaft ist selbst aktiv.

FRAGE:

Inwiefern wirkt der Aufstand vom 17. Juni bis heute nach?

SCHWAN

: In dem Maße, wie man sich an ihn erinnert und auch Lektionen für die heutige Zeit zieht. Wenn er völlig in Vergessenheit geriete, würde er nicht nachwirken. Das heißt, es hängt sehr stark von uns ab, wie er nachwirkt. Ich denke, die Brücke zu schlagen vom damaligen 17. Juni in unsere heutige Zeit, das sollte mehr getan werden. Man sollte den Tag nicht nur als eine historisch abgeschlossene Angelegenheit betrachten.

FRAGE:

Müssen Schulen und Schüler mehr sensibilisiert werden für den 17. Juni?

SCHWAN

: Ich denke, es ist gut, wenn junge Menschen so gut wie möglich für die Aufgaben und Herausforderungen unserer heutigen Demokratie sensibilisiert werden. Und dafür ist auch der 17. Juni eine ganz wichtige Begebenheit. Ich glaube, dass es nicht sinnvoll ist, seiner so zu gedenken, dass man sich auf die Brust schlägt und unterstreicht, wie gut wir heute sind und wie schlimm das damals war.

FRAGE:

Sie waren zum Zeitpunkt des Aufstands zehn Jahre alt. Haben Sie Erinnerungen?

SCHWAN

: Ja, ich habe genaue Erinnerungen. Mit denen werde ich auch meine Gedenkrede beginnen. Ich war damals eine zehnjährige Schülerin und ging in Berlin im Zentrum zur Schule, wohnte aber am Rande der Stadt. Das war schon eine wichtige Erfahrung, dass da plötzlich eine große Unruhe in der Stadt war. Ich bin in einer sehr politischen Familie groß geworden, wir haben viele Gespräche über Politik geführt, und auch in der Folge über den 17. Juni. Ich hatte auch Verwandte in Ostberlin, insofern war mir das schon sehr vertraut. Vom 17. Juni selbst sind mir die Erfahrungen in Erinnerung, die ich zum Beispiel in der Straßenbahn hatte, als ich zurückfuhr nach Heiligensee, wo in der Straßenbahn viele – vor allen Dingen Arbeiterfrauen – aus Hennigsdorf saßen.

FRAGE:

Wäre es ein Signal der Einheit, würde Joachim Gauck Bundespräsident?

SCHWAN

: Sie können nicht von mir erwarten, dass ich mich dazu äußere.

wird an diesem Donnerstag an die Opfer erinnert. Im Bundestag findet ab 9 Uhr eine Gedenkstunde statt. Die Rede hält Prof. Dr. Gesine Schwan (SPD, Bild rechts).

und Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan wurde am 22. Mai 1943 in Berlin geboren. Seit 1972 ist sie Mitglied der SPD. 1977 wurde sie Professorin in Berlin (West), 1999 Präsidentin der Europa-Universität in Frankfurt (Oder). 2004 war sie Kandidatin von SPD und Bündnis 90/Die Grünen für das Amt des Bundespräsidenten. Schwan wurde 2008 von der SPD erneut nominiert, unterlag jedoch.

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