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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Hartz-Reformen: „Alle Menschen werden aus einer Hand betreut“

15.08.2012

FRAGE: Herr Hoppe, wie viele Langzeitarbeitslose gibt es im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Vechta?

HOPPE: Bei uns sind 583 Menschen länger als ein Jahr durchgehend arbeitslos. Aber das heißt nicht, dass diese Menschen immer arbeitslos bleiben. Ich denke nicht, dass Arbeitslosengeld II – im öffentlichen Bewusstsein immer noch Hartz IV – eine Schublade ist, in die man zwar leicht rein, aber nur schwer herauskommt. Wir erleben es immer wieder, dass Menschen auch nach langer Zeit wieder ins Berufsleben zurückfinden.

FRAGE: In Vechta ist die Arbeitsmarktsituation aber auch vergleichsweise gut.

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HOPPE: Wir leben in einer guten Situation. Allgemein gilt, dass dort, wo die Arbeitslosigkeit gering ist, von den Betroffenen relativ wenige in das Arbeitslosengeld II rutschen. Entsprechend haben auch unsere Kunden größere Chancen, wieder in den Arbeitsmarkt zu kommen als vielleicht anderswo. Aber auch wir spüren die Konjunktur. Wenn es rauf geht, geht es auch für uns rauf, wenn es runter geht, merken wir das auch. Es ist nicht so, dass wir davon nicht betroffen wären, allerdings meistens etwas zeitversetzt.

FRAGE: Welches Resümee ziehen Sie nach sieben Jahren Hartz IV?

HOPPE: Seit Hartz IV gibt es keine Unterschiede mehr zwischen Arbeitslosen- und Sozialhilfe, alle Menschen, die bedürftig sind, werden aus einer Hand betreut. Ich halte das für gut, denn früher gab es zwei Welten nebeneinander: das Arbeitsamt und das Sozialamt. Jetzt gibt es nur noch einen Ansprechpartner für Unterkunftskosten, Lohnersatzleistungen und die Wiedereinbindung in die Erwerbstätigkeit. Fördern und Fordern sind damit in einer Hand. Insgesamt bewerte ich die Reformen als positiv.

FRAGE: Wie viele Menschen in ihrem Zuständigkeitsbereich leben denn von Hartz IV?

HOPPE: Bei uns gibt es 1642 Arbeitslose im SGB II-Bereich. Menschen in Bedarfsgemeinschaften gibt es aber mehr: 5855 Menschen leben aktuell von unseren Leistungen. Darunter sind viele Frauen in Erziehungszeiten, Kinder, kranke Menschen oder solche, die in Maßnahmen sind. Mit dem Konzept der Bedarfsgemeinschaft wird statistisch viel besser ersichtlich, wie viele Menschen tatsächlich arbeitslos sind. Früher waren manche Menschen beim Sozialamt, manche beim Arbeitsamt, manche bei beiden Einrichtungen. Seit alles in einer Hand ist, kann die tatsächliche Erwerbssituation in der Bevölkerung besser eingeschätzt werden.

Sandra Binkenstein Varel / Redaktion Friesland
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