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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Deutscher Herbst: Als Gabelstaplerfahrer und Krankenschwester tätig

23.06.2017

Berlin Im Laufe des Jahres 1977 rekrutierte die Terrororganisation „Rote Armee Fraktion“ eine Reihe von neuen Mitgliedern, um personell aufzustocken und ein Ziel zu erreichen: Die Befreiung der RAF-Terroristen der ersten Generation mit Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe. Nicht alle der neu Rekrutierten waren den Anforderungen gewachsen oder wollten bei der RAF bleiben. Ab 1980 tauchten zehn ehemalige RAF-Terroristen in der DDR unter. Was aus ihnen wurde:

 Susanne Albrecht

Sie hatte am 30. Juli 1977 in Oberursel den Kontakt zum Dresdner-Bank-Sprecher Jürgen Ponto hergestellt – Ponto war der Patenonkel ihrer Schwester. Arglos öffneten die Pontos drei adrett gekleideten jungen Leuten die Tür. Doch aus dem Höflichkeitsbesuch wurde eine gescheiterte Entführung. Ponto wurde vor den Augen seiner Frau erschossen. Drei Jahre später wird aus Susanne Albrecht in der DDR Ingrid Jäger. Sie studiert, wird Englischlehrerin und heiratet. 1986 bekommt sie einen anonymen Hinweis, eine Anspielung auf ihre wahre Identität. Albrecht/Becker muss ihre Arbeit in Köthen aufgeben. Die Stasi versteckt sie, besorgt ihr und ihrem Mann eine neue Arbeit in Dresden. 1988 erfolgt eine Entsendung des Paars zum Kernforschungszentrums Dubna bei Moskau. Als sie von dort zurückkehrt, wird sie in Berlin erkannt. Albrecht wird zu zwölf Jahren Haft verurteilt, 1993 ist sie als Freigängerin in einer Bremer Stadtteilschule tätig. Entlassung 1996. Lebt unter einem anderen Namen.

 Silke Maier-Witt

In der DDR heißt sie Angelika Gerlach, arbeitet als Krankenschwester in Erfurt. 1986 wird sie wie Albrecht enttarnt. Ein DDR-Flüchtling hatte den westdeutschen Behörden Hinweise gegeben. Da stellt die Bundesrepublik Fragen nach Angelika Gerlach. Die DDR antwortet „wahrheitsgemäß“, eine Angelika Gerlach sei ihr nicht bekannt, tatsächlich hatte die Stasi aus ihr Sylvia Beyer gemacht und ihr einen neuen Job in Neubrandenburg verschafft. Nach der Enttarnung zu zehn Jahren Haft verurteilt, 1995 entlassen.

 Ralf-Baptist Friedrich

Unter dem Namen Eildberg arbeitet er sich in der Papierfabrik Schwedt hoch, wird vom Gabelstaplerfahrer zum führenden Mitarbeiter. Er heiratet seine Freundin Sigrid Sternebeck (auch ein RAF-Mitglied), die mit ihm aus dem Westen gekommen ist. 1983 wird eine Tochter geboren. Friedrich wird 1992 zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

 Werner Lotze

Lotze ist ebenfalls mit seiner Freundin, Christine Dümlein (RAF-Mitglied), in die DDR eingereist. Die beiden heiraten, 1982 wird eine Tochter geboren. Aus Lotze wird Manfred Janssen, der zunächst als Kraftfahrer arbeitet, dann studiert und als Ingenieur tätig ist. Seine Frau heißt nun Katharina. Christine Dümlein bleibt übrigens nach ihrer Enttarnung auf freiem Fuß. Ihre Straftat „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ ist verjährt. Lotze wird 1992 zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

 Monika Helbing

Sie lebt als Elke Johanna Köhler in Eisenhüttenstadt und arbeitet als Krankenschwester. Liiert ist sie mit Ekkehard Freiherr von Senckendorff-Gudent. Im Jahr 1981 wird der gemeinsame Sohn geboren. 1992 wird sie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt, drei Jahre später wird sie auf Bewährung entlassen.

 Senckendorff-Gudent

Der „RAF-Arzt“ Ekkehard Freiherr von Senckendorff-Gudent wird zu Horst Winter. Er leitet später, hoch anerkannt in seinem Beruf, eine Einrichtung für Suchtkranke in Frankfurt/Oder. Bleibt als einfaches Mitglied nach seiner Enttarnung auf freiem Fuß.

 Henning Beer

Erleidet 1981 einen Nervenzusammenbruch und übersiedelt 1982 in die DDR. Aus dem Großmaul der RAF wird ein Facharbeiter in Neubrandenburg. Heiratet später eine DDR-Bürgerin. 1991 wegen versuchten Mordes zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, 1995 wieder auf freiem Fuß.

 Inge Viett

Sie ist seit 1972 an gewalttätigen Aktionen, vor allem des 2. Juni, beteiligt. Erstmals wird sie im Mai 1972 verhaftet, nachdem sie an einem Banküberfall beteiligt war. Im Juli 1973 gelingt ihr die Flucht aus der Haft. Beteiligt an der Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz in Berlin. 1975 wird sie erneut verhaftet. 1976 gelingt ihr erneut die Flucht. Beteiligt an der Befreiung des 2. Juni-Aktivisten Till Meyer mit Waffengewalt aus der Haft. Sie knüpft 1980 die Kontakte zur Stasi, damit aussteigewillige RAF-Mitglieder abtauchen können. Sie selbst geht nach Paris, wo sie bei einer Polizeikontrolle mit wilder Verfolgungsfahrt einen Polizisten schwer verletzt. Darauf hin übersiedelt sie in die DDR. Als Eva-Maria Sommer lebt sie in Dresden. Nach einer Westreise erkennt eine Freundin Viett und spricht sie darauf an. Die Stasi macht aus Eva-Maria Sommer eine Eva-Mara Schnell, die nun im Schwermaschinenkombinat Magdeburg arbeitet. 1990 erkennt eine DDR-Bürgerin Viett auf einem Fahndungsplakat. 1992 wird sie zu 13 Jahren Haft verurteilt. Entlassung 1997.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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