Potsdam - Tief „Axel“ macht mit eisigen Sturmböen Schlagzeilen. Das Wetter weckt im Osten Erinnerungen an den Rekordwinter im Januar 1987.
Ausgangspunkt
Das Jahr 1987 startete mit starkem Regen. Im Thüringer Wald fielen innerhalb von 24 Stunden 60 Liter, im Harz 30. Dann schneite es ab 4. Januar. Und die Temperaturen sanken auf Werte, die seitdem nicht wieder erreicht wurden, sagt Thomas Hein vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Bei Magdeburg etwa wurden minus 28,1 Grad gemessen, in Görlitz minus 27,5.
Alltag
In den Bezirken Schwerin, Potsdam und Magdeburg war die Energieversorgung gestört. Tausende Haushalte hatten zeitweise keinen Strom, Wohnungen blieben kalt. Mieter mit Ofenheizung hatten Glück – wenn sie rechtzeitig Kohlen eingekellert hatten.
Bahn
Vereiste Schienen und Weichen, zu tonnenschweren Blöcken zusammengefrorene Braunkohle: Die Energieversorgung in der DDR brach zusammen. Waggons mit Braunkohle für die Kraftwerke blieben auf der Strecke.
Betriebe
Bänder standen still; die Stromversorgung musste gedrosselt werden. Beispiel aus einem Potsdamer Chemiebetrieb: Dort fror ein Reglerventil ein. Der Produktionsausfall lag bei rund 440 000 DDR-Mark.
Kohle
Die Arbeiter in der ehemaligen Brikettfabrik Knappenrode südöstlich von Hoyerswerda – in der DDR die größte Anlage in der Lausitz – hatten mit festgefrorener Kohle zu kämpfen. Der wenige Brennstoff, der noch ankam, fror in den Waggons fest. „Wir haben die Kohle lose gesprengt“, erinnert sich Fabrikmitarbeiter Frank Arnold. Mit der Kohle wurde dafür gesorgt, dass zumindest wichtige Maschinen nicht einfroren und dadurch beschädigt wurden. Die Produktion allerdings war stillgelegt. In die Braunkohletagebaue waren auch Soldaten der DDR-Volksarmee, Polizisten, Stasi-Mitarbeiter und Studenten abkommandiert.
Straßenverkehr
Bei Neuschnee von bis zu 40 Zentimer und Schneeverwehungen waren beispielsweise mehrere Fernstraßen im damaligen DDR-Bezirk Karl-Marx-Stadt unpassierbar. 20 Landstraßen mussten im Bezirk Erfurt gesperrt werden.
Schifffahrt
Hafenkapitän Gisbert Ruhnke erinnert sich genau: Das Eis war bis zu 15 Zentimeter dick im Hafenbecken des Überseehafens. „Aber wir haben Schlepper eingesetzt und das Eis gebrochen“, sagt er. Denn die Ostsee war im Gegensatz zu 1978/79 noch frei.
Sozialismus
Der Humor blieb nicht auf der Strecke. Ein geflügeltes Wort machte die Runde: „Die vier größten Feinde des Sozialismus: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.“
