• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Als „Kartoffelfresser“ und „Hure“ beschimpft

08.10.2010

BERLIN „Kartoffelfresser“, „Streber“, „Opfer“ – so schallt es in Berlin über die Schulhöfe. Vier Jahre nach dem Brandbrief der Lehrer an der Neuköllner Rütlischule schlagen jetzt erneut Pädagogen Alarm, weisen auf „eine Art von Deutschenfeindlichkeit“ hin, auf verhärtete Fronten zwischen deutschen Jugendlichen einerseits und vor allem arabisch- und türkischstämmigen Schülern andererseits.

Deutsche Kinder und Jugendliche hätten „zuweilen das Gefühl, dass sie aus der Schule gedrängt werden sollten“. Sehr oft würden sie „mit Wut im Bauch nach Hause“ gehen und fühlten sich unterwegs bedroht, schreiben die beiden Berliner Pädagogen Andrea Posor und Christian Meyer nun in einer Lehrerzeitschrift. Erst am Wochenende hatte die Gewerkschaft GEW dem Thema einen Fachkongress gewidmet. Berlin-Neukölln, Duisburg-Marxloh – viele Stadtteile in deutschen Großstädten mit hohem Migrantenanteil plagen die gleichen Sorgen.

In vielen Klassen sind deutsche Schüler inzwischen in der Minderheit. Viele der nicht-deutschen Schüler definieren sich durch ihr „Nichtdeutschsein“. „Die Deutschen sind die Anderen, gehören nicht zum Wir“, analysieren die Berliner Posor und Meyer. In Problemvierteln würden Migranten weitgehend unter sich bleiben, Deutsche vielfach verachtet und „Deutschland nur als Beutegesellschaft“ betrachtet.

Die Jugendlichen seien gefangen in einem Kreislauf von Transferabhängigkeit und Bildungsversagen: „Sie kompensieren Frustrationen und Perspektivlosigkeit durch Macho-Gehabe.“ Deutschsprachige Mitschüler würden durch gezielte Benutzung des Türkischen in Gesprächen ausgeschlossen.

Im Berliner Abgeordnetenhaus forderte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) mehr gegenseitigen Respekt. „Diskriminierung ist nicht akzeptabel, das gilt ohne Wenn und Aber in jeder Richtung und für jeden“, sagte Zöllner. „Es darf auch keine Gewalt und kein Mobbing gegen Deutsche geben.“

Berlins CDU-Chef Frank Henkel reagierte in scharfem Ton auf Berichte von Lehrern, wonach in Schulen, deren Schüler überwiegend aus Zuwandererfamilien stammen, diese die übrigen beschimpfen und schikanieren. „So wie wir es unerträglich finden, dass sich ein Dunkelhäutiger nachts fürchten muss, so finden wir es unerträglich, wenn sich ein blondes, deutsches Mädchen auf dem Schulhof in Neukölln als Hure beschimpfen lassen muss“, sagte Henkel und sah eine Ursache in Moscheevereinen, wo muslimische Schüler zu Hasstiraden aufgestachelt würden.

Er warf insbesondere den Grünen vor, die Debatte „wegschweigen“ zu wollen, weil Täter mit ausländischen Wurzeln nicht in ihr Weltbild passten. Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop erwiderte, auch sie wolle diese Debatte, nicht aber in Henkels Ton. „Da war der Bundespräsident etwas niveauvoller“, sagte Pop mit Blick auf die Rede von Christian Wulff zur Integration am Tag der Deutschen Einheit.

Zöllner bemerkte, gegenseitige Akzeptanz sei nicht auf Befehl zu erreichen, sondern über das Miteinander-Reden, etwa im Ethik-Unterricht. Es gebe bei den christlich-abendländischen und den islamischen Werten eine große Schnittmenge.

Rasmus Buchsteiner Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.