APEN - „Nein, da steigen wir auf keinen Fall ein.“ Der Standpunkt der Kinder ist ebenso eindeutig wie verständlich. Zu groß ist die Ähnlichkeit des Busses, der sie zurück nach Hause bringen soll, mit dem, aus dem sie gerade erst geborgen worden sind – einige Mitschüler schwer verletzt, die meisten aber zumindest mit kleineren Blessuren.

Nicht nur baugleich ist der Reisebus, der vor dem Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes in Westerstede (Landkreis Ammerland) für sie bereit steht. Er hat auch die gleiche Farbe wie das Unglücksfahrzeug, in dem die beim DRK versorgten Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren vor wenigen Stunden noch gesessen haben. Es ist ihnen in der Tat nicht zuzumuten, in den Bus zu steigen: Letztlich werden sie mit Autos und Kleinbussen wieder heim zu ihren Familien gebracht.

Es hätte ein schöner Ausflug zu den Oldenburger Reitertagen werden sollen, doch die Fahrt endete für die 7. Klasse der Kooperativen Gesamtschule Hage in Ostfriesland mit einer Tragödie. Auf der Autobahn 28 nahe der Abfahrt „Apen/Remels“ rast ihr Reisebus in ein Baufahrzeug der Autobahnmeisterei, die rechte Seite des Busses wird bei dem Aufprall völlig zertrümmert. Die Bilanz des Unfalls: Eine Insassin erliegt später ihren Verletzungen, eine Lehrerin schwebt noch in Lebensgefahr, und neun Kinder müssen zur weiteren Versorgung in umliegende Krankenhäuser gebracht werden. Und der Unfall hätte noch schlimmer ausgehen können, wenn mehr Sitzplätze im vorderen rechten Bereich des Busses besetzt gewesen wären.

Besonders tragisch aber: Bei der 40-jährigen, inzwischen gestorbenen Begleitperson handelt es sich um die Mutter zweier Mädchen, die sich mit im Bus befanden. Ein Mädchen gehört zu den Schwerverletzten, es musste per Rettungshubschrauber nach Bremen gebracht werden. Die Schwester wiederum kam nahezu unversehrt davon – äußerlich zumindest.

Zusammen mit 13 anderen Schülern wird sie beim DRK in Westerstede versorgt. Dort gibt es zunächst Decken und wärmende Heißgetränke. Drei Seelsorger aus Leer und Westerstede kümmern sich um die traumatisierten Kinder. Einer von ihnen ist Pastor Michael Kühn. „Mit den Jahren hat man einen schnellen Blick dafür entwickelt, wer besonders Hilfe benötigt und wer besser mit der Situation zurechtkommt“, erklärt er.

Während Kühn und seine Kollegen sich der seelischen Wunden annehmen, begutachtet Notarzt Dr. Michael Osswald die körperlichen. In der DRK-Küche dampft es derweil. Die ehrenamtlichen Helfer kochen für die Kinder Spaghetti. Sicher ein Leibgericht für viele von ihnen. An diesem schweren Tag aber nur ein schwacher Trost.