Frau Hanano, wie war die Einreise nach Deutschland?

HananoNatürlich haben wir uns gefragt, ob es besondere Vorkehrungen gibt. Das war aber nicht der Fall. Komplizierter war die Ausreise aus Monrovia. Die hat sehr lange gedauert, weil jeder Passagier einzeln mit Fieberpistolen auf seine Temperatur überprüft wurde. Außerdem mussten wir einen Fragebogen ausfüllen, bevor wir überhaupt ins Flughafengebäude rein durften und dann am Check-In-Terminal noch einmal.

Wie hat die Ebola-Epidemie Ihre Arbeit vor Ort verändert?

HananoEs ist so, dass wir Vorkehrungen treffen. Die Hygienestandards haben sich überall sehr verstärkt. Zum Bespiel gibt es in allen öffentlichen Einrichtungen Handwaschanlagen mit Seife und Chlor. Niemand schüttelt sich mehr die Hände, und man trägt langärmlige Sachen, um Körperkontakt zu vermeiden.

Haben Sie Angst vor einer Ansteckung?

HananoEigentlich nicht. Wenn man das Basisprotokoll der Hygiene beherrscht, also Körperkontakt vermeidet und die Hände wäscht, geht es. Wir haben unsere Mitarbeiter mit Sanitärpäckchen, in denen Seife, Infoflyer und Desinfektionsmittel sind, ausgestattet und viel Aufklärung betrieben. So können unsere Mitarbeiter auch ihr Umfeld aufklären und versorgen. Trotzdem hat man manchmal Sorge, sich anzustecken, obwohl die Krankheit ja nicht über die Luft übertragen wird.

Wie gehen Ihre Mitarbeiter damit um?

HananoFür die nationalen Helfer, die ganz dicht an den Menschen sind, ist das natürlich was anderes. Monrovia ist eine Stadt, die sehr dicht besiedelt ist. Daher fokussieren sich die Ebola-Erkrankungen ja auch so auf die Hauptstadt. Dort sind die Sanitäranlagen sehr schlecht, und es leben viele Menschen auf kleinstem Raum zusammen. Unsere Mitarbeiter fahren zum Beispiel nicht mehr mit Sammeltaxis zur Arbeit. Sie holen einander mit dem Auto ab, und wir erstattet die Benzinkosten.

Sie setzen also auf Prävention.

HananoIn unserem Hauptarbeitsgebiet im Südosten gibt es glücklicherweise noch keine Fälle. Da arbeiten wir mit den örtlichen Behörden zusammen, gehen in die Dörfer und versuchen soviel Aufklärung wie möglich zu leisten. Zusätzlich stellen wir dort Handwaschanlagen auf.

Wie sieht Ihre Arbeit in Liberia generell aus?

HananoAls Landesdirektorin ist mein Hauptsitz in der Hauptstadt Monrovia. Dort ist mein Schwerpunkt Koordinierung. Ich verbringe aber auch viel Zeit vor Ort in den verschiedenen Projektgebieten. Im größten Projekt im Südosten an der Grenze zur Elfenbeinküste stehen die Punkte Ernährungssicherung, Landwirtschaft und Basisinfrastruktur im Fokus. In Monrovia und der nebenan liegenden Provinz liegen die Schwerpunkte in der urbanen und periurbanen Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Dort haben wir die Arbeit momentan wegen Ebola eingestellt.

Haben Sie Erfahrungen mit dem Aberglauben der Menschen in Liberia gemacht, besonders im Bezug auf Ebola?

HananoEs ist wirklich so, dass die Leute sehr traditionell sind. Der Aberglaube ist dort sehr vorherrschend. Der Bürgerkrieg ist noch nicht so lange vorbei, das Gesundheitssystem noch im Aufbau. Die Leute sind mit Ebola überfordert. Sie sind sehr abergläubig und ziehen es oft vor, zu einem Buschdoktor zu gehen statt ins Krankenhaus. Da hilft nur Aufklärung. Andererseits ist es eben schwer, alte Traditionen zu brechen. Ein Problem sind zum Beispiel die Beerdigungen. Es ist Tradition, die Toten noch einmal zu waschen und in Tücher zu wickeln – und plötzlich ist das verboten. Es ist schwierig, ihnen deutlich zu machen, dass das der Faktor ist, der zur Übertragung führt. Besser gebildete Leute versuchen, ihre Mitmenschen aufzuklären und bei Symptomen in ein Krankenhaus zu gehen und sich testen zu lassen. Denn häufig ist es gar nicht Ebola, sondern eine ganz normale Malaria.

Eine ganz normale Malaria?

HananoWenn man in dem Kontext lange arbeitet, geht man da anders mit um. Wir nehmen dann Medikamente, schonen uns, und dann geht das nach einer Woche wieder. Das Schlimme ist ja, wenn man zu lange wartet. Auch bei Ebola ist es wichtig, im Frühstadium richtig zu handeln.

Wie wird mit den Ebola-Überlebenden umgegangen? Werden sie ausgegrenzt?

HananoWir haben zwar keine Erfahrung damit, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie ausgeschlossen werden. Es herrscht eine große Angst unter den Menschen dort. Ich denke, man sollte die Überlebenden als Präventionsfiguren nutzen. Um eben den Leuten zu zeigen: Wenn du dich so verhältst, also es früh erkennst, ins Krankenhaus gehst, dich gut ernährst und so weiter, kannst du überleben. Nicht damit drohen, dass man durch Ebola stirbt.

Was hören Sie von ihren Kollegen aus Sierra Leone und Guinea?

Hanano In Sierra Leone wurden die Mitarbeiter aus den Ebola-Regionen rausgezogen. Dort überlegen wir, wie wir helfen können. Die Märkte sind zusammengebrochen, wir versuchen, mit Lebensmitteln zu helfen. Wir beginnen derzeit damit, Familien in Quarantäne zu versorgen, da sie sich selbst nicht mehr versorgen können.