AUGSBURG - AUGSBURG - Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls durfte wenigstens gestern bei seiner Auslieferung Vorzugsbehandlung von der Justiz genießen: Der Augsburger Staatsanwalt Reinhard Nemetz verzichtete darauf, den wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung angeklagten früheren CSU-Politiker in Handschellen vor Publikum in einer Linienmaschine nach Deutschland auszufliegen. Und auch sonst unternahm die Anklagebehörde alles, um Pfahls vor den neugierigen Blicken der Medien zu verstecken.
Stattdessen begann der Tag schon am frühen Morgen mit einem Verwirrspiel. Die Kamerateams vor dem berühmten Pariser Gefängnis La Sante mussten unverrichteter Dinge abziehen: Wie aus französischen Justizkreisen verlautete, war Pfahls bereits Tage zuvor in ein anderes Gefängnis verlegt worden.
Kurz nach 11 Uhr teilte dann das französische Justizministerium mit, dass Pfahls soeben am Grenzübergang Forbach den deutschen Behörden übergeben worden sei. Geplant war, dass eine Eskorte des Bundeskriminalamts den 62-Jährigen nach Augsburg bringen sollte, wo seit dem Morgen Kamerateams und Fotografen vor dem Gefängnis unweit des Augsburger Doms warteten. Doch auch Pfahls‘ Ankunft endete mit einem Ablenkungsmanöver: Statt nach Augsburg dirigierte Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz den Pfahls-Konvoi überraschend in das schwäbische Kaisheim bei Donauwörth, rund 50 Kilometer nördlich von Augsburg, um den prominenten Gefangenen weiter vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Um 15.20 Uhr traf Pfahls in Kaisheim ein – während in Augsburg dutzende Kameras vergeblich in Bereitschaft gehalten wurden.
Der Augsburger Richter Maximilian Hofmeister, der in allen bisherigen Prozessen in der Affäre um den Rüstungslobbyisten Karlheinz Schreiber den Vorsitz führte, will Pfahls heute Vormittag um 11 Uhr im Augsburger Landgericht den Haftbefehl eröffnen.
