BAYERN -

z.Z. Marktl am Inn

BAYERN - Endlich ist es soweit – der Papst-Konvoi mit den schweren dunklen Limousinen kommt vor der Pfarrkirche St. Oswald zum Stehen: Benedikt XVI. zurück in seinem Geburtsort, ein historischer Moment für die idyllische 2700-Einwohner-Gemeinde Marktl am Inn zwischen Salzburg und Passau.

„So etwas kommt nie wieder“, freut sich Christa Geißler vom Firmchor der Pfarrgemeinde, der sich am Nachmittag zwischen Heimatmuseum und Kirche postiert hat. „Für einen so kleinen Ort wie Marktl ist es doch eine große Ehre, wenn der oberste Kirchenmann kommt.“

Jubel für Benedikt XVI. auch in seinem Geburtsort, der der Stippvisite des Pontifex lange entgegengefiebert hatte. Der Papst – am frühen Abend mit dem Wagen aus dem 14 Kilometer entfernten Marien-Wallfahrtsort Altötting gekommen – steigt aus und betritt die 1857 erbaute St.-Oswald-Kirche. Es folgt ein Moment stiller Andacht am sechseckigen Taufbecken aus Donau-Sandstein. Hier war er, Joseph Ratzinger, in der Osternacht des Jahres 1927 getauft worden, wenige Stunden nach seiner Geburt.

Während Benedikt XVI. im Gotteshaus betet, warten die Marktler draußen gespannt – in einer Mischung aus Begeisterung und Stolz. Auch Wehmut ist mit dabei, dürfte es doch der letzte Marktl-Besuch des bald 80-jährigen Pontifex sein. Der ganze Ort ist auf den Beinen, in diesen Minuten. Letzte Handgriffe und Vorbereitungen den ganzen Tag über: Die eindrucksvollen Bilder aus dem benachbarten Altötting, wo Benedikt XVI. vor der berühmten „Schwarzen Madonna“ gebetet, eine Messe vor 60 000 Gläubigen zelebriert und den Opfern der Terroranschläge vom 11. September 2001 gedacht hatte, geraten dabei fast zur Nebensache.

Die engen Gassen von Marktl sind festlich geschmückt – mit bunten Fahnen und Blumen. „Salve papa benedikte“, hat Bäcker Wolfgang Leukert an sein Schaufenster geschrieben.

Benedikt XVI. bleibt nicht viel Zeit für den Besuch in Marktl, die der Vatikan auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin ins Reiseprogramm genommen hatte.

Der Papst lächelt, winkt und segnet. Vorbei an der Benedikt-Säule, dem neuen Monument auf dem Marktplatz, geht es hinüber zum Haus, in dem er das Licht der Welt erblickt hatte. Zwei Jahre lebte er mit seinen Eltern hier. An die Zeit habe er zwar keine Erinnerungen mehr, aber er fühle sich dem Ort sehr verbunden, hat der Pontifex einmal erzählt. Benedikt XVI fährt zum Sportplatz des TSV Marktl. Ein letzter Gruß, dann startet der Hubschrauber schon in Richtung Regensburg, der nächsten Station.