BAYREUTH - BAYREUTH - Die Wahrscheinlichkeit von Netz-Zusammenbrüchen steigt. Das sagt Martin Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Eon Netz GmbH.
Frage: Herr Fuchs, der prognostizierte Zuwachs an Strom aus Windenergie macht den Ausbau der Fernleitungen nötig – so wurde bisher gedacht. Stoppt Eon Netz angesichts des möglichen Regierungswechsels nun den Ausbau?
Fuchs: Nein. Das wäre geradezu gesetzeswidrig. Wir müssen unseren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen. Die besagen, dass wir als Netzbetreiber den von Windenergieanlagen erzeugten Strom vorrangig aufnehmen und abtransportieren müssen, unabhängig davon, ob er an Land oder auf See produziert wurde. Der Ausbaubedarf für die Stromnetze ist bereits durch das gegeben, was heute an Windanlagen besteht, projektiert oder genehmigt ist.
Frage: Reicht es nicht, das vorhandene Netz nachzurüsten?
Fuchs: Wir sind schon seit einiger Zeit dabei, dies zu tun. Grundsätzlich sind wir bestrebt, die vorhandene Infrastruktur bestmöglich zu nutzen. Zusätzlich schöpfen wir alle Möglichkeiten aus, die uns als Übertragungsnetzbetreiber zur Verfügung stehen. Das heißt, wir lassen andere Kraftwerke zurückfahren und schränken den Transit aus Handelsgeschäften, z. B. von Dänemark nach den Niederlanden, ein. Damit reicht das Leitungsnetz zurzeit so gerade eben noch aus.
Frage: Drohen Netz-Zusammenbrüche wegen Überlastung?
Fuchs: Derzeit wohl noch nicht, aber die Wahrscheinlichkeit steigt natürlich. Denn die Kapazitäten sind zurzeit auf Kante genäht – bei steigendem Regelungsbedarf. Der Strom sucht sich, physikalischen Gesetzen folgend, den Weg des geringsten Widerstands. So gibt es immer häufiger ungewollte Stromflüsse, die beispielsweise aus Niedersachsen über die Niederlande, Belgien und Frankreich nach Süddeutschland fließen.
Frage: Hochspannungsleitungen stoßen auf Widerstand in der Bevölkerung. Warum verlegen Sie nicht grundsätzlich unterirdisch Kabel?
Fuchs: Ein Erdkabel hat in der Höchstspannungsebene deutlich höhere Investansätze als eine Freileitung. Nach unserer Schätzung ist dies je nach Anwendungsfall bis zu zehnmal so teuer. Und Erdkabel werfen spezifische Probleme auf, je nach Technologie etwa eine Bodenerwärmung oder eine unter Umständen langwierigere Behebung von Störungen. Trotzdem schließen wir eine Verkabelung nicht betonkopfartig aus.
Frage: Ihr Trost für Grundstücksbesitzer, die genervt sind durch eine Überlandleitung?
Fuchs: Wir können keinen Trost spenden und können uns auch nicht einfach den gesetzlichen Pflichten zum Netzausbau entziehen. Wir sind aber entschlossen, uns intensiv mit den Bedenken und den Betroffenheiten auseinanderzusetzen.
