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VOLKSWAGEN: Belegschaft trommelt für VW-Gesetz

13.09.2008

WOLFSBURG Ein lauter Herzschlag dröhnt rhythmisch aus den Lautsprechern. „Volkswagen ist der Herzschlag Niedersachsens“ ist auf einem Banner zu lesen. Der Platz vor dem VW-Hochhaus auf dem Werksgelände in Wolfsburg ist überfüllt: Vor der Konzernzentrale haben sich am Freitag nach IG Metall-Angaben 40 000 Menschen bei der größten Demonstration in der Geschichte des Wolfsburger Autobauers eingefunden. Sie kämpfen für den Erhalt des VW-Gesetzes. Der parallel tagende Aufsichtsrat unterbricht seine Sitzung. Und Betriebsratschef Bernd Osterloh, der am Freitag seinen 52. Geburtstag feierte, schickt eine unmissverständliche Botschaft an die EU-Kommission in Brüssel: „Finger weg von unserem VW-Gesetz“.

„Wir wollen unsere Rechte behalten“, sagt Finnja Winckler, Auszubildende im Werk. „Wenn das VW-Gesetz bleibt, gibt es mehr Hoffnung für unsere Zukunft“, ist sich auch die Auszubildende Saskia Müller sicher. Die 20-Jährige plagt die Sorge, dass Porsche Standorte schließen könnte. Peter Lärz, beschäftigt in der Lackiererei, sagt: „Ich befürchte, dass VW die Macht über sich selbst verliert.“ IG- Metallchef Berthold Huber warnt ebenfalls: „Porsche will einen Gewinn- und Abführungsplan von Volkswagen erzwingen.“ Der jahrelange Streit um die Sonderregelungen bei VW hatte in dieser Woche einen neuen Höhepunkt erreicht. EU-Kommissar Charlie McCreevy will nun auch gegen die Neuauflage des VW-Gesetzes vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. „Jetzt geht es ums Ganze“, sagt Osterloh. Das scheinen die Beschäftigten auch so zu sehen.

Aus jedem deutschen und aus vielen europäischen Werken sind am Freitag VW-Mitarbeiter nach Wolfsburg gekommen. Ein Strom aus roten Mützen, Blaumännern und weißen Arbeitsanzügen zieht über das Werksgelände zur Kundgebung. Fahnen und bunte Transparente wehen über 40 000 Köpfen. „Mensch Porsche, Piëch & Co, wer hätte das gedacht – das VW-Gesetz hat auch Euch groß heraus gebracht“, ist auf einem der Banner zu lesen.

Auch Nicht-Werksangehörige unterstützen die Aktion – so ist die gesamte Belegschaft des Zulieferers Sitech erschienen, der Autositze herstellt. „Die Zukunft von VW ist auch unsere Zukunft“, sagt Sitech- Mitarbeiter Werner Meyer. Der DGB-Bundesvorsitzende Michael Sommer, der spontan in Wolfsburg erschienen ist, spricht ebenfalls zu den Demonstranten: „Euer Kampf ist unser Kampf“, ruft er der Menge zu. Der Streit um das VW-Gesetz sei ein grundsätzlicher Konflikt. „Ich bin frohen Mutes, dass wir die Nummer gewinnen werden“, sagt Sommer.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) zeigt sich von den Massen beeindruckt: „Die Belegschaft hat machtvoll und friedlich ein Zeichen gesetzt“, sagt er nach der Aufsichtsratssitzung.

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