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20. Juli 1944 Immer größeres Interesse an Geschichte

Gunars Reichenbachs

BERLIN - Es braucht gar nicht den Regen für das Grau dieses Ortes. Ein Kranz markiert die Mauerstelle, an der die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg nachts erschossen wurden. Eine Eisenbarriere mitten im Ehrenhof des Bendler-Blocks bremst den Schritt zur Bronze-Figur von Richard Scheibe.

Die Hände des nackten Mannes sind gebunden. Eine Tafel im Boden erinnert: „Ihr trugt die Schande nicht, Ihr wehrtet Euch“. Fast 120 000 Menschen besuchen jedes Jahr die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in der Stauffenbergstraße. Ein Ort der Stille abseits des Berliner Trubels.

Eva Olbricht legte am 20. Juli 1953 den Grundstein für das Ehrenmal im Innenhof. Ihr Mann, der erschossene General Friedrich Olbricht, beteiligte sich mit Generaloberst Ludwig Beck, Carl Goerdeler und Generalmajor Henning von Tresckow an den Planungen zum Attentat auf Adolf Hitler. In der zweiten Etage zeigen über 5000 Bilder und Dokumente die ganze Breite und Vielfalt des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Nur ein kleines Schild weist auf den geschichtsträchtigen Innenhof im riesigen Gebäude-Komplex des Verteidigungsministeriums. Das mächtige Portal sollte beeindrucken. Man merkt es den Bauherren an – erst war hier das „Dienstgebäude der Kaiserlichen Marine“, in dem die Flottenrüstung geplant wurde. Zur NS-Zeit residierte hier, in der Nähe des Tiergartens, das Oberkommando des Heeres. Im Bendler-Block hielt Hitler seine berüchtigte „Lebensraum im Osten“-Ansprache am 3. Februar 1933, die den Zweiten Weltkrieg vorbereitete. Hier war aber vor allem das Zentrum des Umsturzversuchs gegen Hitler und das nationalsozialistische Regime am 20. Juli 1944.

Alles Geschichte? „Das Interesse an den Hintergründen zum Widerstand in der NS-Zeit wächst von Jahr zu Jahr“, freut sich Gedenkstättenleiter Prof. Dr. Johannes Tuchel im Gespräch mit dieser Zeitung. Das beweisen nicht zuletzt die steigenden Besucherzahlen. „Über 60 Prozent sind junge Leute“, sagt Tuchel. Darunter viele Soldaten, aber auch viele Touristen, die diese Gedenkstätte abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten ansteuern.

Auch auf der Webseite steigen die Besucherzahlen: 560 000 waren es im vergangenen Jahr. Rund 2,3 Millionen Seiten wurden aufgerufen und 305 000 PDF-Dateien mit teils bis zu 80 Seiten heruntergeladen. „Der Wissensdurst ist groß“, betont der Gedenkstättenleiter, der zugleich das feierliche Gelöbnis der Bundeswehr, das auch diesmal wieder nebenan an diesem 20. Juli stattfindet, begrüßt. „Ich bin froh darüber“, betont Tuchel: „Kein Tag und kein Ort eignet sich besser zum Nachdenken über die Grenze zwischen Pflicht und Gehorsam.“

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http://www.gdw-berlin.de

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