BERLIN - Die gesetzliche Krankenversicherung wird teurer. Die Lohnsteuerkarte aus Papier gibt es nicht mehr. Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können wieder geltend gemacht werden. Hauskäufer müssen sich auf eine höhere Grunderwerbsteuer einstellen. Das sind nur einige der Neuigkeiten, die Verbraucher im Jahr 2011 erwarten.
Krankenversicherung: Zu Beginn des Jahres steigt der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent. Der Anstieg belastet Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit jeweils 0,3 Prozentpunkten zusätzlich. Die Beitragslast ist aber unterschiedlich verteilt: 8,2 Prozent vom Bruttoeinkommen entfallen auf Arbeitnehmer und Rentner; für die Arbeitgeber sind es 7,3 Prozent. Für sie wird der Satz bei diesem Stand eingefroren.
Wenn die Kassen mit dem Geld nicht auskommen, können sie künftig unbegrenzt Zusatzbeiträge erheben. Das müssen allein die Versicherten bezahlen. Für Ärmere ist ein Ausgleich über Steuern vorgesehen. Sollte die eigene Kasse die Zusatzbeiträge anheben oder erstmals erheben, könne über einen Wechsel nachgedacht werden, sagt Kai Vogel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für diejenigen, die sich überlegen, in die private Krankenversicherung zu wechseln, werden die Wartezeiten verkürzt – von derzeit drei Jahren auf ein Jahr. Bedingung ist aber, dass der Arbeitnehmer bis Ende des Jahres mindestens 49 500 Euro verdient hat.
Elterngeld: Diese Lohnersatzleistung wird gekürzt. Künftig werden nur 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen bei mehr als 1200 Euro im Monat liegt. Für Empfänger von Arbeitslosengeld II soll das Elterngeld von 300 Euro monatlich ganz entfallen, ebenso für Top-Verdiener, die Reichensteuer zahlen.
Steuern: Die farbige Lohnsteuerkarte aus Papier hat ausgedient. Die entsprechenden Daten werden künftig elektronisch verwaltet. Allerdings gibt es 2011 noch eine Übergangsfrist. Das heißt: Die Lohnsteuerkarte aus Papier für 2010 gilt auch im neuen Jahr. Sämtliche darin enthaltenen Angaben müssen vom Arbeitgeber berücksichtigt werden. Erst von 2012 an übernimmt der Computer die Datenverwaltung vollständig.
Von 2011 an können bis zu 1250 Euro für das Arbeitszimmer geltend gemacht werden, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Regelung gelte rückwirkend zum 1. Januar 2007.
Für den Kauf einer Eigentumswohnung oder eines eigenen Hauses müssen Käufer in einigen Bundesländern mehr Steuern zahlen. Am 1. Januar heben vier Länder ihre Sätze für die Grunderwerbsteuer an: Im Saarland steigt die Steuer auf 4 Prozent, in Niedersachsen und Bremen auf 4,5 Prozent und in Brandenburg auf 5 Prozent. In den übrigen Bundesländern bleibe der Satz für die Grunderwerbsteuer bei 3,5 Prozent des Kaufpreises. Bei Kaufverträgen, die nach dem 1. Januar wirksam werden, gelten die höheren Sätze.
Hartz IV: Der Regelsatz im Arbeitslosengeld II soll von 359 auf 364 Euro steigen. Die Erhöhung liegt aber auf Eis, nachdem der Bundesrat die Pläne gestoppt hat. Derzeit verhandeln Regierung und Opposition über einen Kompromiss. Die mehr als 1,7 Millionen Kinder von Hartz-IV-Empfängern sollen besser gefördert werden. Zum Bildungspaket gehören Schulessen, Angebote für Nachhilfeunterricht oder für Sport- und Musikstunden am Nachmittag. Für Vereinsbeiträge stehen pro Kind etwa zehn Euro monatlich zur Verfügung. Zum warmen Mittagessen in Schule oder Kita soll es monatlich bis zu 26 Euro Zuschuss geben.
Strom- und Gaspreise: Viele Energieversorger heben im kommenden Jahr ihre Preise an. Einer Erhebung des Vergleichsportals Check24 zufolge steigen die Kosten bei Strom um 7 Prozent, bei Gas sogar um rund 8 Prozent. Verbraucher können bei einer Tariferhöhung von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und einfach zu einem anderen Anbieter wechseln.
Bankgeschäfte: Geld abheben an Automaten fremder Banken kann teuer sein. Ab dem 15. Januar 2011 können Verbraucher aber zumindest sofort erkennen, wie hoch die Gebühren dafür sind. Der Betrag wird dann bei der Abhebung angezeigt. Kunden sind künftig besser gegen die Insolvenz ihrer Bank geschützt. Der Sicherungsbetrag erhöht sich zum 1. Januar 2011 von derzeit 50 000 Euro auf insgesamt 100 000 Euro. Nach Angaben des Bundesverbandes Öffentlicher Banken wurde zudem die Auszahlungsfrist von drei Monaten auf 20 Arbeitstage verringert.
Neue Schlichtungsstelle: Streitfälle mit dem Anwalt können Mandanten ab dem neuen Jahr vor eine neue, zentrale Schlichtungsstelle bringen. Bislang waren Einrichtungen bei den einzelnen Regionalkammern zuständig. Ab Januar wird ein zentraler Ombudsmann bei der Bundesanwaltskammer als Vermittler bereitstehen.
Verkehr: Wer im Herbst einen Flug für 2011 gebucht hat, hat sie schon bezahlt: die neue Flugticketabgabe. Sie betrifft alle Flüge ab dem 1. Januar. Kurztrips in Europa verteuern sich um acht Euro pro Flug, Mittelstreckenflüge um 25 Euro, Langstreckenflüge kosten 45 Euro.
Änderungen gibt es auch im Straßenverkehr: Das begleitete Fahren, das es bisher nur als Modellversuch gab, wird zukünftig bundesweit zugelassen. Jugendliche können ihre Führerscheinprüfung einen Monat vor ihrem 17. Geburtstag ablegen und dürfen dann hinters Steuer – allerdings nur in Begleitung einer mindestens 30 Jahre alten Begleitperson.
