• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Aufnahme Von Flüchtlingen: So soll es von Lesbos nach Deutschland gehen

16.09.2020

Berlin /Athen Dass obdachlose Migranten in Europa unter freiem Himmel schlafen, finden viele Menschen in Deutschland skandalös. Die griechische Regierung pocht aber darauf, dass die Zerstörung des Flüchtlingslagers Moria auf der Insel Lesbos nicht durch die Aufnahme der Brandstifter in Deutschland belohnt werden dürfe. Sie drängt die Migranten, ein neues Zeltlager zu beziehen.

Was haben Berlin und Athen nun besprochen?

Die Bundesregierung hat ihre Bereitschaft erklärt, über die bereits angekündigte Aufnahme von bis zu 150 unbegleiteten Minderjährigen hinaus 408 Familien – insgesamt 1553 Menschen – aufzunehmen, deren Schutzbedürfnis von den griechischen Behörden bereits anerkannt worden ist. Diese Familien leben zurzeit verteilt auf fünf griechischen Inseln. Dass es nur Familien sind und auch nicht nur Menschen aus Moria, soll sicherstellen, dass unter denjenigen, die nach Deutschland kommen, niemand ist, der zu den Brandstiftern gehörte.

Machen andere Europäer bei der Aufnahme mit?

Bei der Aufnahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus Griechenland machen bisher zehn EU-Staaten sowie die Schweiz mit. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson schickten jetzt ein gemeinsames Schreiben an die Innenminister der EU-Staaten. Darin fragen sie, welche anderen Mitgliedstaaten bereit wären, auch Familien mit Kindern von den Inseln aufzunehmen. Eine finanzielle Unterstützung der EU für diese Umsiedlung sei möglich. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigt an, seine Regierung wolle lieber vor Ort helfen: „Wir werden dem deutschen Weg hier nicht folgen.“

Könnte dadurch eine Situation wie 2015 auf der Balkanroute entstehen?

Der CDU-Innenpolitiker Armin Schuster glaubt, dass – wenn man sich auf die Aufnahme der Familien mit Schutzstatus beschränkt – keine Sogwirkung entsteht wie damals. Die Lösung könne jedoch nicht der politische Wettkampf um die höchste Aufnahmezahl sein, sondern Griechenland durch einen sinnvollen Aufnahmemechanismus in einer Notlage zu entlasten.

Die Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU), erklärt: „Ein deutscher Alleingang wie Teile von SPD und Grüne es fordern, wäre nur kontraproduktiv. Damit würde Deutschland sein primäres Ziel eines europäischen Asylsystems selbst aufgeben.“

In welchem Zustand befinden sich die Migranten?

Viele von ihnen fürchten sich davor, in das neue provisorisch errichtete Zeltlager zu ziehen. „Sie haben Angst, dort dauerhaft eingesperrt zu werden, und trauen mittlerweile niemandem mehr“, sagt der Psychologe Dukas Protogiros, der auf Lesbos für die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) arbeitet. Er und seine Kollegen sehen eine Verschlimmerung bereits vorhandener Probleme: Ängste, Wut, Stress, Schlafstörungen, Essensverweigerung, Suizidabsichten. „Diese Menschen haben keine Sicherheit, keine Freiheit, keine anständige Versorgung, keine Hoffnung“, sagt Protogiros. „Sie müssen aufs Festland gebracht werden.“ Nicht zuletzt, weil es zunehmend Aggressionen seitens der völlig überlasteten Inselbewohner gebe.

Wie viele Migranten befinden sich auf den Inseln?

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks leben derzeit gut 27 000 Migranten in den Hotspots auf den ostägäischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Kos und Leros. Mit 47 Prozent stammt fast die Hälfte von ihnen aus Afghanistan. Syrer machen mit 19 Prozent die nächstgrößte Gruppe aus, sechs Prozent stammen aus der Demokratischen Republik Kongo. Bei mehr als 50 Prozent der Migranten handelt es sich um Frauen und Kinder, viele unter zwölf Jahren.

In diesem Jahr haben nach UNHCR-Angaben bisher 8860 Menschen illegal von der türkischen Küste zu den Inseln übergesetzt. 2019 waren es fast 60 000, beim Ausbruch der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 sogar mehr als 850 000 Menschen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.