BERLIN - „Manche Länder haben aufgejault, weil sie uns Antworten geben mussten.“ Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist vom Erfolg seines sogenannten Baustellenmelders überzeugt. Seit einem halben Jahr haben Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit, dem Bundesverkehrsministerium Baustellen zu melden, auf denen nicht gearbeitet wird. Diese sogenannten Schlafbaustellen sollen ausfindig gemacht werden. Ziel: die Dauer von Baustellen auf den Autobahnen zu verringern.
Erste Zwischenbilanz
In einer ersten Zwischenbilanz urteilt Ramsauer, die Initiative habe „den Nerv getroffen“. Die Meldungen würden an die Länder weitergeleitet und von den zuständigen Behörden geprüft. Denn für Planung und Durchführung der Baustellen auf Autobahnen sind die Länder in Bundesauftragsverwaltung zuständig. „Verbesserungsmöglichkeiten bestehen aus Sicht des Bundes vor allem im Rahmen der Bauvorbereitung und vertraglichen Festlegung und Umsetzung von kurzen Bauzeitvorgaben.“
Die Länder widersprechen in einigen Fällen dem Eindruck, es werde nicht gearbeitet. Kein Baustellenbetrieb könnte mit Aushärte- und Abkühlzeiten zusammenhängen. Es gebe auch Absperrbereiche ohne Bautätigkeit zur sicheren Verkehrsführung, werfen die Länder ein. Ramsauer ist aber überzeugt: „Der Baustellenmelder hat alle Beteiligten und Verantwortlichen wachgerüttelt. Gemeinsam mit den Ländern gehen wir möglichen Problemen auf die Spur.“
Bis Anfang März hat das Ministerium rund 1500 Meldungen registriert. Schwerpunkt ist mit fast 600 Fällen Nordrhein-Westfalen. Für Rheinland-Pfalz (158), Bayern (111) und Baden-Württemberg (106) liegen ebenfalls zahlreiche Meldungen vor. Zu Autobahnbaustellen in Niedersachsen kamen 98 Hinweise. Mehr als zehn davon beziehen sich auf die Arbeiten auf der A 39 in Höhe Braunschweig.
Für ein besseres Baustellenmanagement hat das Ministerium den Bundesländern den „Leitfaden Arbeitsstellenmanagement“ vorgelegt. Er enthält zum Beispiel Zeitvorgaben, um Baustellen im Straßen- und Brückenbau zügig durchzuführen. Auch sollen die Länder Tageslichtbaustellen einrichten. Das bedeutet: Feierabend erst bei Dunkelheit, vor allem in der hellen Jahreszeit. „Dadurch lassen sich Bauzeiten um bis zu 30 Prozent verkürzen“, sind Ramsauers Fachleute überzeugt. Wie drängend das Problem der Schlafbaustellen ist, belegt die aktuelle Staubilanz des ADAC. Danach wurden im Jahr 2011 rund 189 000 (2010: rund 185 000) Staus auf deutschen Autobahnen gemeldet. Die gemeldeten Staulängen summierten sich auf insgesamt etwa 450 000 (2010: knapp 400 000) Kilometer.
Überlastungen
Besonders betroffen waren Nordrhein-Westfalen, Berlin und Bayern. Zwei von drei Staumeldungen kommen aus einem dieser drei Länder. Mit acht Prozent entfallen auf niedersächsische Autobahnen vergleichsweise wenige der gemeldeten Staustunden.
Ursache für etwa 75 Prozent der Staus sind nach Angaben des ADAC Überlastungen der Straßen infolge hohen Verkehrsaufkommens sowie – Baustellen.
@
