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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Deutsche Schüler nur Mittelmaß

04.12.2019

Berlin „Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein“, klagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag in Berlin, als die Ergebnisse der jüngsten Pisa-Studie für Deutschland veröffentlicht wurden. Alle drei Jahre führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Ländern weltweit den repräsentativen Bildungstest durch. Dieses Mal nahmen mehrere Hunderttausend Schüler im Alter von 15 Jahren aus 79 Ländern teil.

Deutschland schaffte es im internationalen Vergleich zwar über den Durchschnitt, aber nur leicht. Auch die Länder der Spitzengruppe schnitten diesmal schlechter ab. Damit hielt Deutschland seine Platzierung. „Wir brauchen einen Aufbruch in der Bildungspolitik“, forderte Karli­czek. Die Fakten zur Pisa-Studie:

 Besonders bedenklich: Die Leistungen der Schüler klaffen hierzulande vielfach weit auseinander – je nach Schulform und sozialer Herkunft. Das Elternhaus spielt in Deutschland für das Bildungsniveau eine größere Rolle als im OECD-Schnitt. Anders ist dies insbesondere in Dänemark und Estland, wo die Herkunft weniger stark ins Gewicht fällt als in den meisten anderen Ländern.

In Deutschland gibt es einerseits relativ viele leistungsstarke Schüler – aber auch einen großen Anteil leistungsschwacher, nämlich rund 20 Prozent. „Besorgen muss uns, dass die Gruppe der Leistungsschwachen größer wird und die Gruppe der Leistungsstarken stagniert“, sagte die Bundesbildungsministerin. Auch der Philologenverband appelliert an die Politik, Schulen in sozial schwächeren Gegenden zu stärken.

In einer Fähigkeit schnitten deutsche Schüler übrigens besonders schlecht ab: In der Unterscheidung zwischen Meinung und Tatsache. Dies gelingt hierzulande nur jedem Zehnten der 15-Jährigen, in den USA, Kanada und Finnland ist es jeder Siebte.

 Deutsche Stärken: Zum ersten Mal wurde im Pisa-Test danach gefragt, wie sich die Schüler selbst beurteilen. Die deutschen Jugendlichen haben danach relativ wenig Angst zu scheitern. Drei Viertel der Schüler – deutlich mehr als in vielen anderen Ländern – glauben, dass sich Intelligenz und Fähigkeiten im Lauf der Zeit entwickeln. Die Forscher bewerten das als positiv. Denn um Herausforderungen anzugehen, sei eine sogenannte Wachstumsmentalität förderlich, also die Fähigkeit, sich Dinge zuzutrauen und Neues zu wagen.

Auch im Bereich der Naturwissenschaften sticht Deutschland hervor und liegt unter den Top-12-Ländern. Gerade der Anteil an Leistungsstarken ist in diesem Bereich im internationalen Vergleich besonders hoch.

 Schwerpunkt der Studie: Insbesondere die Lesefähigkeit wurde dieses Mal besonders geprüft. Hier gibt es in Deutschland ein großes Problem. Jeder fünfte Schüler kann hier nicht auf Grundschulniveau lesen, erläuterte Bildungsministerin Karliczek. Zwar wurde auch die Gruppe der leistungsstarken Leser größer. Büchernasen sind die deutschen Jugendlichen jedenfalls nicht. Weit weniger als in vielen anderen Ländern empfinden sie Lesefreude – und das, obwohl sie eigentlich ein sehr gutes Wissen über Lesestrategien haben.

Ein Grund für die geringe Freude am Lesen könnte der Trend hin zu Videos auf Plattformen wie Youtube sein. „Sie müssen nicht mehr lesen, um sich Informationen zu beschaffen, zumindest nicht in einem Buch“, beschrieb Pisa-Koordinatorin Kristina Reiss die Lebensrealität der Jugendlichen.

 Hohe Ziele: Eine gute Qualität der schulischen Bildung ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern auch in hohem Interesse der deutschen Wirtschaft. Gute Kenntnisse im Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften seien der Schlüssel zum Erfolg, unterstrich Achim Dercks, der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Daher mahnt er: „Deutschland darf sich mit durchschnittlichen Ergebnissen nicht zufrieden geben.“ Die Bildungsministerin stößt in das gleiche Horn.

Der Philologenverband wurde konkret: Er betonte die Notwendigkeit, mehr Lehrer für MINT-Fächer einzustellen – also für Mathematik und Naturwissenschaften.

Grafik zur PISA-Studie als PDF.

Annette Dönisch Korrespondentenbüro Berlin
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