BERLIN - Wer nicht mehr Bundestagsabgeordneter ist, muss gewöhnlich sein Büro räumen. Ausnahme: Man war mal Bundeskanzler oder Mitglied des Präsidiums des Bundestages.
Die großen Fraktionen CDU/CSU und SPD gewähren ihren ehemaligen Regierungschefs großzügig Räume und Personal. So unterhält die CDU für Altbundeskanzler Helmut Kohl (78), Regierungschef von 1982 bis 1998, im Bundestagsgebäude an der Berliner Wilhelmstraße gegenüber der britischen Botschaft ein komplettes Büro mit Sekretärin, persönlichem Referenten und allem, was dazugehört.
Dessen Vorgänger Helmut Schmidt (89), Bundeskanzler von 1974 bis 1982, tut es ihm gleich. Die SPD-Fraktion stellt ihrem Altvorderen in einem Altbau, der zum Komplex „Jakob-Kaiser-Haus“ an der Dorotheenstraße gehört, ein Büro mit drei Mitarbeitern. Gelegentlich führen SPD-Abgeordnete Besuchergruppen zu einem besonderen Gang im Jakob-Kaiser-Haus, von dem aus man auf die Arbeitsräume Schmidts blicken kann. „Wenn die Scheiben seines Arbeitszimmers aussehen, als wären sie aus Milchglas, ist er da“, heißt es dann. Das absolute Rauchverbot in den Bundestagsgebäuden schert Kettenraucher Schmidt nicht.
Großzügiger sind die Sozialdemokraten bei der Ausstattung des Büros von Gerhard Schröder (64), Kanzler von 1998 bis 2005. „Der Gerd“ darf in seinem Büro im Haus Unter den Linden 50 fünf Mitarbeiter auf Kosten der Fraktion beschäftigen.
Aus dem Etat des Bundestages werden ehemaligen Mitgliedern des Parlamentspräsidiums ebenfalls Büros mit Sekretärin und Ausstattung zur Verfügung gestellt. „Die Leistungen sind aber begrenzt auf einen Zeitraum von vier Jahren nach Ausscheiden aus dem Amt“. Dieses Angebot wird derzeit nur von Antje Vollmer (64) in Anspruch genommen. Die Grünen-Politikerin war von 1994 bis 2005 Vizepräsidentin des Bundestages. Rudolf Seiters (70, CDU), von 1998 bis 2002 Vizepräsident, musste im Herbst 2006 sein Büro räumen.
