BERLIN -

und Kirsten Baukhage

BERLIN - Beide sind begnadete Redner. Beide haben Rücktritte hinter sich, die ihnen heute übel genommen werden. Beide gelten inzwischen als Schreckgespenst für die etablierten Parteien und werden von diesen mit allen Mitteln bekämpft: Oskar Lafontaine und Gregor Gysi.

Vor zehn Jahren stürzte Lafontaine seine alte Partei erstmals in eine große Krise. Am 17. November 1995 fegte er auf dem Mannheimer Parteitag Rudolf Scharping vom SPD-Thron. Jetzt macht der Saarländer als Spitzenmann der Linkspartei der SPD das Leben erneut schwer.

Lafontaine sieht sich immer noch als eigentlicher Hüter alter sozialdemokratischer Werte im Sinne von Willy Brandt.

Rhetorische Gaben und ein ausgeprägter Machtinstinkt hatten den Diplom-Physiker schnell voran gebracht: Saarländischer Ministerpräsident mit 41 und bislang jüngster SPD-Kanzlerkandidat mit 47.

Im Wahlkampf 1990 wurde er bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt. Im Bundestags-Wahlkampf 1998 ließ Lafontaine Gerhard Schröder den Vortritt, was er heute bitter bereut. Nach fünf Monaten gemeinsamer Regierungsarbeit kam es zum Bruch mit dem SPD-Kanzler: Lafontaine schmiss seine Ämter hin und sann seitdem auf Rache.

Im Juni trat Lafontaine gemeinsam mit seiner dritten Frau Christa Müller der WASG bei. Ende Juli wählte ihn die Linkspartei in Nordrhein-Westfalen auf Platz eins ihrer offenen Liste für die vorgezogene Bundestagswahl.

Gregor Gysi steht vor seinem zweiten Comeback in die Politik.

Zusammen mit Lafontaine will er eine Ernst zu nehmende Kraft links von der SPD im Bundestag etablieren. Als politisches Stehaufmännchen und Charmeur ist der promovierte Jurist oft beschrieben worden.

1989 meisterte der 57-Jährige als Vorsitzender das Ende der SED durch den Bruch mit der stalinistischen Vergangenheit und die Wende zur PDS. Später überstand Gysi scheinbar mühelos Stasi-Vorwürfe und die Rücktritte als PDS-Fraktionschef im Bundestag und als erster Berliner PDS-Wirtschaftssenator.

Schon nach seinem Rücktritt im Oktober 2000 als Fraktionschef (seit 1994) half Gysi seiner Partei in der Not. Mit ihm an der Spitze konnte die Berliner PDS 2002 den ersten rot-roten Senat in der Hauptstadt bilden. Sein Rücktritt als Wirtschaftssenator verhagelte der PDS die Bundestagswahl 2002. Dennoch baut die Partei wieder auf ihren Star.