BERLIN/EMDEN - Der historische Frühstückssaal des Hotels Esplanade heißt während der Internationalen Filmfestspiele „Vanity Fair Lounge“, und wer hinein will, muss zuerst an dem dicken Türsteher vorbei. „Interview mit Martin Busker?“ Der dicke Türsteher wiederholt streng das Passwort, dann nickt er und macht den Weg frei in den Prunksaal mit den weißen Plüschsofas und den Leopardenfellkissen. Auf einer großen Leinwand flimmern Ausschnitte aus dem Filmklassiker „Der blaue Engel“.

Martin Busker hat seinen besten Anzug angezogen, „ich habe doch gleich Premiere“. In drei Stunden läuft sein Film „Höllenritt“ im großen Saal 3 des Cinemaxx am Potsdamer Platz, vorher soll er auf den Plüschsofas noch Interviews geben. Eben war das Radio da, gleich kommt das Fernsehen, jetzt die Zeitung. „Kein Problem“, sagt er, „das haben wir ja trainiert an der Filmakademie.“ Er wundert sich bloß, dass die echten Journalisten nicht so gemein zu ihm sind wie die falschen im Interview-Training.

TV-Studio aus Lego gebaut

Martin Busker stammt aus dem ostfriesischen Emden, und als er zehn Jahre alt war, also 1990, sah er seine erste Kamera. Thomas Gottschalk gastierte damals mit seiner Fernsehshow „Wetten, dass . . ?“ in der Nordseehalle, und Martin schlich sich hinein. „Ich war begeistert“, schwärmt er, „die Scheinwerfer, die Kameras, die Kulissen, einfach toll!“ Zu Hause baute er dann das ganze TV-Studio aus Lego-Steinen nach. „Die Kameras hatten leider keine Aufnahmefunktion“, bedauert er. Und so kam Martin Busker zum richtigen Film.

Er machte eine Berufsausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Köln, bildete sich zum Regieassistenten fort und begann schließlich ein Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Dort dreht er jetzt jedes Jahr einen Film; „Höllenritt“ ist sein dritter.

Ein bisschen lachen die anderen Studenten manchmal über Martin, den ehemaligen Lego-Kameramann. „Ich bin nicht so der Theoretiker“, gibt er zu. Dass in der „Vanity Fair Lounge“ gerade Szenen aus dem „Blauen Engel“ laufen, woher soll Martin das wissen? „Ich kenne nicht so viele Filme“, sagt er und grinst spitzbübisch. Die „Terminator“-Filme mit Schwarzenegger hat er gesehen und weiß, dass „Terminator 2“ um Klassen besser ist als „Terminator 3“, „obwohl der dritte Teil aufwendiger ist“. Denn anders als Teil 3 erzählt Teil 2 eine berührende Geschichte – und allein darum geht es im Film. Findet zumindest Martin.

Unterhaltung als Ziel

Er senkt ein bisschen die Stimme. „Ich will keine Kunst machen“, sagt er, „ich will ein großes Publikum unterhalten.“ In Ludwigsburg auf der Akademie ist diese Meinung nicht sehr populär, in der „Vanity Fair Lounge“ vermutlich auch nicht. Aber manchen Menschen gefällt sie – Geldgebern zum Beispiel.

60 000 Euro hat „Höllenritt“ gekostet, Martins Drittjahres-Film an der Akademie. „Das ist sehr teuer“, sagt der Emder, „wir haben viele Sponsoren gefunden.“ Er hat mal nachgerechnet: Unter normalen Bedingungen, wenn also die Darsteller und Techniker nicht auf ihre Gage verzichtet hätten, hätte sein 30-Minuten-Film 1,7 Millionen Euro gekostet. Der deutsche Durchschnittsfilm hat 2008 4,9 Millionen Euro gekostet.

Eines Abends, auf einer Fachtagung war gerade „Höllenritt“ gelaufen, kam ein kräftiger Mann auf Busker zu und schlug vor, etwas Trinken zu gehen. Der kräftige Mann war Alfred Holighaus, auf der Berlinale zuständig für deutsches Kino. Jetzt läuft „Höllenritt“ in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“, und abends bei der Premiere werden die Zuschauer tüchtig lachen und lange klatschen.

Doch vorher müssen wir noch ein Foto machen. Vor dem Cinemaxx? „Ach nee“, sagt Martin Busker und lächelt fröhlich. Er möchte lieber vor dem Berlinale-Palast fotografiert werden – dort, wo die ganz großen Filme der ganz großen Stars laufen.