BERLIN/ERFURT - BERLIN/ERFURT - Die schwierige Vereinigung der beiden Armeen ging 1990 für Verteidigungsminister Gerhard Stoltenberg (CDU) so schnell, dass er sie schon als „Schrittmacher der Einheit“ feierte.
Die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) war in nur einem Jahr mit 90 000 ihrer vormals knapp 180 000 Soldaten in die Bundeswehr integriert worden. Am 3. Oktober 1990 zogen NVA-Soldaten Bundeswehruniformen an – ein historischer Moment für die Mitstreiter beider Seiten, die jahrzehntelang ein Feindbild voneinander gezeichnet hatten.
Am 4. Oktober 1990 warb der damalige Befehlshaber Kommando Ost, der westdeutsche Generalleutnant und heutige brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), bei den Soldaten um Vertrauen: „Wir kommen nicht als Eroberer, sondern als Deutsche zu Deutschen.“ Die „Armee der Einheit“ hatte damit 530 000 Soldaten. Viel zu viel für das wiedervereinigte Deutschland nach Ende des Kalten Krieges.
Die Bundeswehr hatte einen beispiellosen Umbruch zu bewältigen. Die NVA wurde aufgelöst, keiner ihrer Generale oder Admirale übernommen. Für die anderen Dienstgrade gab es ein Auswahlverfahren. Die Bundeswehr musste in Ostdeutschland erst stationiert werden.
Günter Schabowski, der SED-Politbüromitglied war und am 9. November 1989 nahezu beiläufig die Öffnung der Berliner Mauer bekannt gegeben hatte, sagt, die NVA sei nach der Stasi der gefährlichste Teil der SED-Macht gewesen. Die NVA sei mindestens als Drohkulisse gegen das demonstrierende Volk eingesetzt worden.
1998 leitete Verteidigungsminister Rudolf Scharping eine tief greifende Reform der Streitkräfte ein, die sein Nachfolger Peter Struck (beide SPD) noch ausweitete. Heute hat die Bundeswehr rund 250 000 Soldaten. Die Landesverteidigung hat nicht mehr oberste Priorität. Aus der „Armee der Einheit“ ist auch eine „Armee im Einsatz“ geworden. Auf dem Balkan und in Afghanistan liegen die Schwerpunkte. Dort hilft die Bundeswehr, den Frieden zu sichern. Für die NATO ist die Bundeswehr, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ein unverzichtbarer Partner.
