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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Tag steht für widersprüchliche Historie

10.11.2018

Berlin Am Ende erheben sich die Abgeordneten von ihren Plätzen, applaudiert der Bundestag für das leidenschaftliche Plädoyer des Bundespräsidenten für die Demokratie, einen aufgeklärten Patriotismus und den entschlossenen Kampf gegen einen „neuen aggressiven Nationalismus“. Erinnerung an einen deutschen Schicksalstag, den 9. November, der in der deutschen Geschichte für Licht und Schatten steht.

„Es lebe die deutsche Republik!“, ruft zu Beginn der Gedenkveranstaltung der Schauspieler Ulrich Matthes vom Rednerpult aus ins Plenum unter der Reichstagskuppel, spricht an diesem Morgen die Worte, mit denen der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann auf den Tag genau vor hundert Jahren vom Fenster des Parlamentsgebäudes nur ein paar Schritte vom Saal entfernt, die Republik ausgerufen und das Ende der Monarchie besiegelt hat.

„Es lebe die deutsche Republik“, sagt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Beginn der Feierstunde für die Demokratie im hohen Haus zum Gedenken an einen „Schicksalstag“ und eine tiefgreifende Zäsur in der deutschen Geschichte.

Da ist die Novemberrevolution als „Meilenstein“ der Demokratiegeschichte am 9. November 1918, da ist auch die Reichspogromnacht 1938 mit brennenden Synagogen als sichtbarer Beginn der Judenverfolgung in Deutschland und Europa und schließlich der 9. November 1989 mit dem Fall der Mauer, der „glücklichste 9. November in unserer Geschichte“, so Steinmeier.

Aufbruch in die Demokratie, aber auch Absturz in die Barbarei des Holocaust, helle und dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Oben auf der Besuchertribüne verfolgen seine Amtsvorgänger Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck die Rede.

Zwar sei der 9. November auf der Landkarte der deutschen Erinnerungsgeschichte verzeichnet, so Steinmeier, doch habe er nie den Platz erhalten, der ihm zustehe. Er sei ein ambivalenter Tag, weil er für „Licht und Schatten steht“ und „ein Stiefkind unserer Demokratiegeschichte“ sei.

Für Steinmeier ist der 9. November 1918 ein Grund zum Feiern, „ohne den Abgrund des Nationalsozialismus zu vergessen“. Das Staatsoberhaupt wirbt für „einen demokratischen, aufgeklärten Patriotismus“, einen „mit leisen Tönen und gemischten Gefühlen“ statt mit lauten Parolen. „Wir können stolz sein auf die Traditionen von Freiheit und Demokratie, ohne den Blick auf den Abgrund der Shoa zu verdrängen“, so der Bundespräsident.

Die Revolution von 1918 markiere eine tiefgreifende Zäsur in der deutschen Geschichte, für einen Aufbruch in die Moderne, so der Präsident. Schließlich stehe sie für den Durchbruch der deutschen Demokratiegeschichte, für Errungenschaften wie die republikanische Verfassung, den Beginn der parlamentarischen Demokratie und nicht zuletzt die Einführung des Frauenwahlrechts.

Zwar habe das Ende der Weimarer Republik in das furchtbarste Kapitel der deutschen Geschichte geführt. „Doch gescheitert ist nicht die Demokratie, gescheitert sind ihre Feinde“, stellt Steinmeier klar und erhält Beifall vom ganzen Haus.

Kaum eine Hand rührt sich in Reihen der AfD-Abgeordneten, als Steinmeier deutlich wird und Klartext spricht: „Wer heute Menschenrechte und Demokratie verächtlich macht, wer alten nationalistischen Hass wieder anfacht, hat gewiss kein historisches Recht auf Schwarz-Rot-Gold“, sagt Steinmeier. „Wir dürfen nicht zulassen, dass einige wieder von sich behaupten, allein für das ,wahre Volk‘ zu sprechen, und andere auszugrenzen“, warnt der Bundespräsident.

Gedenken an diesem 9. November auch an die Opfer des Nationalsozialismus – „Wir wissen um unsere Verantwortung, die keinen Schlussstrich kennt!“, stellt das Staatsoberhaupt klar. Auch heute müsse die Frage gestellt werden, wie aus einem demokratischen Aufbruch der Weg in die Diktatur, in Richtung Krieg und Vernichtung führen konnte, mahnt das Staatsoberhaupt.

Gedenken an diesem Tag auch in der jüdischen Synagoge Rykestraße in Berlin Prenzlauer Berg, die wie andere Synagogen, und jüdische Geschäfte auch in der Pogromnacht vom 9. Auf den 10. November vor 80 Jahren in Brand gesteckt worden, Schauplatz von Gewalt und Verfolgung war. Ausdrücklich nicht eingeladen sind Vertreter der AfD. Der Zentralrat der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sieht in ihnen „geistige Brandstifter“, die vor nichts Respekt hätten und verurteilt ihre Hetze gegen Juden, Muslime und Flüchtlinge, die eine „Schande“ für Deutschland seien.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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