BERLIN - Sie war eine kleine, aber feine Zeitung, die „Weltbühne“, die im März 1933 eingestellt wurde. Zu ihren Chefredakteuren zählte Carl von Ossietzky. Das Blatt – es kostete 50 Pfennig – hatte nur eine Auflage von etwa 15 000 Stück, aber es zählte viele zu seinen Autoren, die einen Namen hatten in Deutschland. Als da waren: Kurt Tucholsky, Ernst Troller, Arnold Zweig, Kurt Hiller, Franz Blei.

Es war die Zeit, als das Leben eines Journalisten noch gefährlich war, lebensgefährlich, als Mut dazu gehörte, seine Meinung offen zu vertreten. Und Meinung hatten die Männer dieser Zeit – und Courage.

Sie urteilten kompromisslos, sie waren Pazifisten und gegen die Nazis. Und die, oder besser Studenten in deren Auftrag, warfen Ossietzkys und Tucholskys Werke auf den Scheiterhaufen, damals am 10. Mai 1933, mit den Worten: „Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!“

Später sperrten die Nazis Ossietzky ins KZ, wo sie ihn prügelten und drangsalierten, dann im emsländischen Moor arbeiten ließen, bis er, an Tbc erkrankt, 1938 in einem Hospital starb. Man hätte ihn wohl früher ermordet, wenn dieser Ossietzky nicht im November 1936 den Friedensnobelpreis bekommen hätte. Ein gewisser Willy Brandt soll dabei neben vielen Wissenschaftlern und Abgeordneten aus ganz Europa eine Rolle gespielt haben.

Aber mit einem wie Ossietzky hatte schon die Weimarer Republik ihre Probleme. Er wurde noch während der Republik wegen Landesverrats verurteilt, weil er von den geheimen, den vertragswidrigen Rüstungen der Reichswehr zu sprechen wagte. Keine andere Zeitung außer der „Weltbühne“ berichtete von den Fememorden, deren Initiatoren quasi geschützt wurden. Keine andere Zeitung berichtete über die Zusammenarbeit mit der sowjetischen Armee. Oder über die Skandale der Schwarzen Reichswehr.

Wie so viele täuschten sich die Autoren dieser Zeitung über die Zukunft der Nazis. „Die nationalsozialistische Bewegung hat eine geräuschvolle Gegenwart, aber gar keine Zukunft.“ Die letzte Nummer der Weltbühne vom 14. März 1933 schloss mit dem Satz: „Denn der Geist setzt sich doch durch.“ Aber das dauerte noch Jahre.