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Großrazzia Kampfansage an Rockerbanden

Julian Mieth

BERLIN - Die Rocker hatten es sich wohl gemütlich gemacht. Im Innenhof des Bandidos-Clubhauses im brandenburgischen Hennigsdorf stehen Wodka- und Bierflaschen herum. Am Boden liegen Grillfleischverpackungen. Am Morgen schlägt die Polizei hier und an mehr als 70 weiteren Orten in Berlin und Brandenburg zu. Es geht um bandenmäßigen Drogenhandel im großen Stil – nach Berliner Polizeiangaben eines der wichtigsten Geschäftsfelder der Rockerszene. Die Bandidos stehen im Ruf, die Oberhand im Drogengeschäft in Berlin zu haben.

„Wir müssen den Druck hoch halten“, heißt es zum Einsatz aus Ermittlerkreisen. Zuletzt gingen die Sicherheitsbehörden in mehreren Städten gegen kriminelle Rockerbanden vor. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagt zur jüngsten Razzia: „Das wird nicht der letzte Schlag gewesen sein.“ Ob das für ein bundesweites Rockerverbot reicht, ist aber unklar.

In der vergangenen Woche war die mächtigste Berliner Gruppe der mit den Bandidos verfeindeten Hells Angels verboten worden. Die jetzige Aktion sei daran „zeitlich angepasst“ worden, sagen Ermittler. „Es geht darum, die Machtstellung der Clubs zu dezimieren“, meint ein Kriminalbeamter. Es dürfe kein „Ungleichgewicht“ zwischen den größten Clubs in der Gegend erzeugt werden. Die Bandidos galten noch bis vor kurzem in Berlin als zahlenmäßig überlegen. Dann liefen aber etliche Mitglieder zu den Hells Angels über.

Beide Clubs werden streng hierarchisch geführt und führen seit langem brutale Machtkämpfe. Verletzte und Tote waren die Folge, auch Unbeteiligte traf es. Dabei geht es um Geschäfte im Rotlichtmilieu, in der Türsteherszene, um Drogen- und Waffenhandel und Erpressung.

„Um das Tagesgeschäft kümmert sich nicht die Chefetage der Rocker“, sagt der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Bodo Pfalzgraf. Das erkläre auch, warum – wie im jüngsten Fall – die Clubpräsidenten meist ungeschoren davon kämen. Zwar wurden sieben Mitglieder der Hennigsdorfer Bandidos Del Este festgenommen. Nicht aber der Chef, ein Ex-Polizist. „Die begehen zwar auch Straftaten, die sind ihnen nur sehr, sehr schwer nachzuweisen“, weiß der Berliner Landeschef.

Offizielle Zahlen belegen: Die Behörden gehen zunehmend gegen die Rockerbanden vor. Von 2005 bis 2010 hat sich die Zahl sogenannter OK-Verfahren (Organisierte Kriminalität) gegen sie versiebenfacht. Vor zwei Jahren gab es bundesweit 35 Ermittlungsverfahren. Einige Experten meinen, diese Entwicklung zeige, dass die Behörden lange Zeit geschlafen hätten.

Gezielt erfasst werden OK-Verfahren mit Rockerbezug erst seit 2004. Das Problem der kriminellen Rockerbanden gibt es aber nicht erst seitdem. Vor allem gegen Ende der 90er Jahre breiteten sich die Clubs massiv aus. Als erste Rockerbande nach US-Vorbild in Deutschland gründeten sich Anfang der 70er Jahre die Hells Angels in Hamburg. Anfangs nicht wirklich beachtet, ging die Hansestadt dann konsequent gegen den Club vor und verbot ihn 1983.

Danach rückten die Rocker jedoch aus dem Blickfeld der staatlichen Behörden. Das nächste Verbot gab es dann erst 17 Jahre später. Im Jahr 2000 traf es die Düsseldorfer Hells Angels. Seither gab es elf weitere Clubverbote.

Nach der kürzlichen Innenministerkonferenz steht nun ein bundesweites Verbot der Rockerclubs zur Diskussion. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will derzeit ein mögliches Verfahren prüfen lassen. Dafür müsse aber eine bundesweite Organisationsstruktur nachgewiesen werden.

Unter Ermittlern gilt das als selbstverständlich. „Es gehört zum Selbstverständnis von Clubs, dass die einzelnen Ortsgruppen eng miteinander verbunden sind“, sagt der Sprecher der Berliner Polizei, Stefan Redlich. In der Praxis ist das aber bislang nur schwer nachweisbar.

Die Hells Angels

gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub. Sie wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel.

Ihr Emblem

ist der geflügelte Totenkopf. Aus den Harley-Davidson-Fans wurde eine Organisation mit Mitgliedern in 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

Die Bandidos

entstanden 1966 in Texas als Motorrad-Club und haben ihre Wurzeln im US-Militär. Die meisten Gründungsmitglieder dienten als Marines im Vietnamkrieg.

Die erste deutsche Sektion

tauchte dann Ende der 1990er Jahre auf. Das Club-Emblem zeigt einen mexikanischen Banditen mit einer Machete und einer Pistole.
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