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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Auch ohne Abi findet sich ein Weg in den Hörsaal

06.08.2019

Berlin /Gütersloh Als Barbara Obermaier ihr Studium begann, hatte sie mit ihren 21 Jahren bereits eine Ausbildung absolviert und Berufserfahrung gesammelt. Bis zum Abitur weiterzumachen, war ihr zu Schulzeiten nicht in den Sinn gekommen. „Damals war ein Studium noch kein Thema für mich“, erzählt die heute 24-Jährige. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Industriekauffrau in einem Pharma-Unternehmen, um den Weg in den kaufmännischen Bereich zu gehen. „Danach wollte ich erst mal in meinem Beruf arbeiten“, erzählt sie.

Später jedoch merkte sie, dass bestimmte Positionen an ein Studium geknüpft waren. Die Aufstiegschancen waren begrenzt. Außerdem bekam sie Lust, sich weiterzubilden. „Etwas Neues zu lernen hat mir immer schon Spaß gemacht“, erzählt sie.

Inzwischen sind bundesweit etwas mehr als 8000 Studiengänge für Studierende ohne Abitur zugänglich, sagt Sigrun Nickel vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Im Jahr 2017 gab es in Deutschland rund 60 000 Studierende ohne Abitur.

Für den sogenannten „fachgebundenen Hochschulzugang“ reichen eine abgeschlossene, mindestens zweijährige Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung. Danach ist es möglich ein Fach zu studieren, das zum erlernten Beruf passt.

„Es ist für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung immer noch ziemlich schwierig, sich durch die einzelnen Bundesländerregelungen zu arbeiten“, sagt Sigrun Nickel. Deswegen hat das CHE auf der Seite www.studieren-ohne-abitur.de Infos und Links zusammengetragen.

Im Regelfall brächten beruflich Qualifizierte Berufs- und Lebenserfahrung ins Studium ein, erklärt Christian Tauch, Leiter des Arbeitsbereichs Bildung der Hochschulrektorenkonferenz. „Sie wissen, was sie wollen und gehen sehr zielstrebig an die Sache heran.“ Deswegen profitierten auch die Hochschulen von der Öffnung.

Für die beruflich Qualifizierten selbst stelle sich die Frage, wie sie ihr Voll- oder Teilzeitstudium finanzieren können. Nur ein Teil von ihnen sei berechtigt, Bafög zu empfangen, von den meisten Stipendien seien sie ausgeschlossen. Das Aufstiegsstipendium für Berufserfahrene, ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, bildet eine Ausnahme.

Obermaier hat schon vor ihrem Studium das mehrstufige Bewerbungsverfahren durchlaufen. Sie bekommt nun eine Förderung von 815 Euro monatlich und kann an Seminaren und Treffen mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten teilnehmen.

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