BERLIN/HANNOVER - BERLIN/HANNOVER - Mit der Ankündigung eines erneuten bundesweiten Aufstallungsgebotes hat Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) gestern in Berlin offene Türen eingerannt. Die Resonanz auf die kommende Eilverordnung, die zum Schutz vor einer Vogelgrippe-Infektion ab dem 1. März Freilandgeflügel für acht Wochen wieder in die Ställe verbannen soll, ist überwiegend positiv.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) lobte, endlich werde eine bundeseinheitliche Regelung eingesetzt. „Sie fußt auf der Position Niedersachsens, auch bei mäßigen Risiken trotzdem alle Register zu ziehen.“ Bauernverbands-Präsident Gerd Sonnleitner begrüßte die Stallpflicht, mahnte aber an, dass alles getan werden müsse, „damit die Freilandhaltung von Geflügel in Deutschland nicht nachhaltig Schaden nimmt“. Der Landwirtschaftsexperte der FDP im Bundestag, Michael Goldmann (Aschendorf), sagte, ein Ausbreiten der Seuche auf Deutschland müsse „mit allen Mitteln verhindert werden“.

Grundlage der Eilverordnung ist eine neue Risikobewertung der Forscher vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern). „Die Lagebeurteilung hat sich durch die breite Ausdehnung der Vogelgrippe in der Türkei drastisch verschlechtert“, sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter. Insbesondere von Zugvögeln, die auf der Ost-Route über den Nahen Osten und die Türkei fliegen, gehe ein hohes Einschleppungsrisiko aus. Der Forscher warnte jedoch vor Panikmache: „Nicht jeder Zugvogel, der uns überfliegt, ist voll mit Influenza-Viren.“

Friedrich Scholten, Co-Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sagte, es sei richtig, dass die Politik den Empfehlungen der Experten folge. „Das mag in Regionen, in denen die Geflügelwirtschaft eine untergeordnete Rolle spielt, anders gesehen werden. Doch Niedersachsen als Geflügelregion hat ein großes Interesse an vorbeugenden Maßnahmen.“ Nach Angaben des Geflügelzuchtverbandes wird hierzulande mit etwa 72 Millionen Tieren bundesweit das meiste Geflügel gehalten.

Kritik kam aus der Bio-Branche. „Die Aufstallung muss regional begrenzt bleiben“, forderte Thomas Dosch, Vorsitzender des Bioland-Verbandes.

Seehofer unterstrich, dass das Aufstallungsgebot lediglich ein Baustein der Vogelgrippe-Vorbeugung sei. Das Hauptrisiko gehe weiterhin von illegalen Importen von Geflügel und Geflügelprodukten aus den Ländern aus, in denen das Virus festgestellt worden sei. In Europa ist die Seuche bis Kroatien vorgedrungen. Intensive Kontrollen des Personen- und Warenverkehrs an den Grenzen seien unverzichtbar. Seehofer setzt auf ein „verantwortungsvolles Verhalten der Bürger“. Bislang seien einige Tonnen verdächtige Lebensmittel beschlagnahmt worden, sagte Mettenleiter. Man müsse jedoch von einer Dunkelziffer im Bereich von mehreren hundert Tonnen ausgehen, so der FLI-Präsident. Sein Institut arbeitet derzeit intensiv an der Frage, ob mit Impfungen der Vogelgrippe begegnet werden kann. Ein Ergebnis wird nicht vor Herbst erwartet.

Ob zur Vogelflugsaison im September ein weiteres Aufstallungsgebot fällig wird, mochte Seehofer nicht beurteilen: „Es gibt keinen Automatismus.“ Ausschlaggebend sei die dann aktuelle Risikobewertung. „Wir sind auf alles vorbereitet.“