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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Kultur 4.0: Von Streaming bis „Spawn“

23.09.2019

Berlin Das waren noch Zeiten, als ein Lied wie „Hotel California“ (1976) von den Eagles mit seinem gut 100-sekündigen Gitarren-Intro ein Nummer-eins-Hit werden konnte. Heute müssen Musiker viel rasanter mit der Refrain-Tür ins Haus fallen, um auf den Playlisten der Streamingdienste schnelle Aufmerksamkeit zu erzielen. Ansonsten gibt’s kein Geld.

Popmusik – das war schon immer ein eigener Kosmos im stetigen Wandel. Welchen Einfluss darauf hat nun aber die fortschreitende Digitalisierung? Nicht nur wie wir Pop hören – auch die Art, ihn zu produzieren, ändert sich.

Masse an Musik

Die Musikindustrie scheint dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein – dank des bezahlten Audio-streamings, das 2018 in Deutschland und auch weltweit bereits rund 47 Prozent Marktanteil am Musikkonsum hatte. Streamingdienste wie Spotify, Apple Music und Deezer liefern eine unvorstellbare Masse an Musik. Obwohl Vinyl und Musikkassette eine kleine Renaissance erleben, sind Anbieter digitaler Dienste heute marktbeherrschend. Und das macht manchen auch Sorge.

Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) sieht Plattformen wie Spotify indes als Partner – wenn auch „besondere Partner, weil sie viel tiefer als früher üblich in den Vertrieb von Musik einbezogen sind. Das ist dadurch natürlich manchmal ein durchaus spannungsvolleres Verhältnis“, sagt Verbandschef Florian Drücke.

2018 betrug der Gesamtumsatz der globalen Musikindustrie 19,1 Milliarden US-Dollar (gut 17 Milliarden Euro). Der Marktanteil von CD und Vinyl liegt momentan nur noch bei 25 Prozent. Laut Report 2018 der Digital Media Association (DiMA) sagen mehr als die Hälfte der Verbraucher inzwischen: Playlisten haben das Album ersetzt.

Die Fülle an Angeboten und der einfache Zugriff führen auch zu einer globaleren Abbildung von Musik. „Früher nur lokale Ausprägungen wie westafrikanische und Balkan-Musik, koreanischer oder Japan-Pop und Latin-Traditionsstile stoßen nun auf viel mehr Interesse“, sagt Prof. Udo Dahmen, künstlerischer Direktor der Popakademie Baden-Württemberg.

Wirtschaftliche Faktoren spielen dennoch eine große Rolle, wenn es um die Form der heute konsumierten Popmusik geht. Durch Datenanalysen lässt sich genau sehen, was beim Hörer funktioniert und was nicht. Dementsprechend kann Musik aufs Konsumverhalten hin produziert werden.

„Das ist schon beim Schreiben eines Songs ein relevantes Thema“, sagt Musikproduzent Tim Tautorat, der bereits mit Pharrell Williams, Herbert Grönemeyer, Faber und Annenmaykantereit gearbeitet hat. Besonders für weite Teile der sehr erfolgreichen deutschen Rap-Musik gelte, dass sie auf Playlisten zugeschrieben werde. „In Tempo, in Songlänge, in der Länge des Intros. Aber auch in der Tonart oder bei der Auswahl des Instrumentariums.“

Sofort ins Ohr

Die Regel: Ein Song muss sofort ins Ohr gehen, damit er nicht weggeklickt, sondern länger gestreamt wird. So braucht es 31 Sekunden Verweildauer bei einem Track auf Spotify, damit überhaupt Geld an den Künstler fließt. „In der Tat müssen sich Mainstream-Tracks dann entsprechend entwickeln“, bestätigt Pop-Professor Dahmen.

Dass Songs im Streaming-Zeitalter insgesamt auch kürzer werden, hat Dan Kopf für das Magazin „Quartz“ analysiert. Was ist nun vom Verdacht zu halten, dass Streaminganbieter teilweise „Fake-Künstler“ erschaffen und auf Playlisten zugeschnittene Songs produzieren? Produzent Tautorat meint: „Das machen die auch. Aber das findet noch nicht im Pop-Kontext statt, sondern eher auf Ambient- und Meditations-Playlisten.“

Doch die Option, mit Künstlicher Intelligenz (KI) Musik zu produzieren, kann auch zu sehr spannenden neuen Sound-Kreationen führen. So hat die in Berlin lebende US-Künstlerin Holly Herndon auf dem neuen Album „Proto“ ihr KI-„Baby“ namens „Spawn“ eingesetzt. Es wurde „mit meiner Stimme trainiert“, sagte sie. In Stücken wie „Godmother“ taucht die KI-Stimme als eigenständiges Ensemble-Mitglied auf.

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