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Redaktion Berlin

BERLIN - Die Museumsinsel wird erweitert. Im wiederaufgebauten Stadtschloss soll zeitgenössische Kunst einziehen. Das sagt Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.

Frage: Welches Gefühl überkommt Sie, wenn nach acht Jahren der Sanierung das Bode-Museum endlich wieder seine Pforten öffnen kann?

Antwort: Ich habe schon den Eindruck, das ist ein entscheidender Schritt. Nach der südlichen Seite zum Schlossplatz und Unter den Linden öffnet sich jetzt auch die nördliche Spitze der Museumsinsel. Es ist eine urbane Verankerung der Museumsinsel in der Mitte Berlins. Und mehr noch: Nach der Sanierung des Bode-Museums erscheint die Museumsinsel noch stärker wie ein Traumland, ein musisches Eiland, die Gefilde der Seligen. Genau das liefert das Bode-Museum. Es ist ein Schloss. Man wandelt von einer Epoche zur anderen, ja, man geht geradewegs durch mehrere Schlösser hindurch.

Frage: Zuletzt wurde die Museumsinsel vor allem als Ausstellungsort für herausragende archäologische Funde gesehen. Das ändert das Bode-Museum jetzt?

Antwort: Ja, gemeinsam mit der Alten Nationalgalerie wird mit dem Bode-Museum ein neuer Strang inszeniert: die nachantike Kunst. Wir haben die geniale Idee der Museumsinsel wiedergewonnen, nämlich diesen Ort nicht mehr nur als Spezialquartier für Archäologie zu sehen, sondern als Ort, der die gesamte europäische Kunst abbildet – von den Anfängen mit ihren Wurzeln in Ägypten und im Zweistromland bis zum 19. Jahrhundert, den Gemälden eines Adolph von Menzel. Das ist museologisch überhaupt die Sensation. Wir können die komplette europäische Kunstgeschichte darstellen in diesen fünf Häusern auf der Museumsinsel, die wir mit einer Passage verbinden werden. Das findet man sonst nirgendwo auf der Welt.

Frage: Lässt sich dieses Ensemble räumlich, zeitlich und thematisch noch erweitern?

Antwort: Durchaus, wir werden in dem geplanten wiederaufgebauten Schlossareal die außereuropäischen Sammlungen präsentieren. Das sind die reichsten Sammlungen überhaupt auf der Welt. Und da sehen wir sehr deutlich, die zeitgenössische Kunst ist nicht nur europäisch oder amerikanisch, sie findet überall statt. Die Künstler sind die neuen Nomaden, die überall hinziehen. Wir sind geradezu gezwungen, im neuen Humboldt-Forum die zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Sonst erfüllen wir unseren Auftrag nicht.

Frage: In zwei Jahren werden Sie in den Ruhestand gehen, plagt sie jetzt schon Wehmut?

Antwort: In der Tat, das Alter ereilt einen und ich nähere mich dem entscheidenden 65. Lebensjahr. Die Wiedereröffnung des Bode-Museums nach der Sanierung und vielleicht noch die für 2009 geplante Wiedereröffnung des Neuen Museums bilden eine Etappe, vielleicht ein Ära. Danach geht es um das Pergamon-Museum, und damit kommt dann ein neuer Zeitabschnitt.

„Wir haben die geniale Idee der Museumsinsel wiedergewonnen“