BERLIN - Wie riesige Zahnstümpfe ragen die acht Treppenhaustürme des ehemaligen Palasts der Republik aus dem märkischen Boden. Einst war der Pracht- und Repräsentationsbau der DDR, der zwischen 1973 bis 1976 auf dem Areal des ehemaligen Berliner Stadtschlosses auf der Spreeinsel zwischen Dom und Marstall errichtet worden ist, 180 Meter lang, 87 Meter breit und an seiner höchsten Stelle 32 Meter hoch. Nun stehen nur noch die Betontürme.
Als Anfang Februar 2006 mit dem Ausbau der Fensterscheiben als erstem Schritt der Demontage begonnen wurde, ging man noch von einer Abbauzeit von 14 Monaten aus. Aktuell wird der Abschluss der Arbeiten im Februar/März 2009 erwartet – zwei Jahre später als geplant. Grund für die Verzögerung waren unerwartete Asbestfunde in Fensterrahmen, Dachverkleidungen und vor allem den Geschossdecken im Sommer 2006. Mit äußerster Vorsicht musste nun wegen des gesundheitsschädlichen Minerals vorgegangen werden. Der Zeitplan geriet aus den Fugen, die Kosten explodierten. Erst Anfang Oktober dieses Jahres waren die letzten Asbestreste beseitigt. Die Kosten für den Rückbau, einst auf zwölf Millionen Euro taxiert, werden nach neuesten Angaben der Berliner Senatsverwaltung bei 32 Millionen liegen. Die zusätzlichen 20 Millionen Euro sind das Resultat der Asbestfunde.
„In den Hochzeiten der Asbestbeseitigung waren bis zu 50 Arbeiter auf der Baustelle tätig, nun sind es noch etwa 20“, berichtet Michael Möller, leitender Ingenieur der Arbeitsgemeinschaft „Rückbau“ unter Federführung der Oldenburger Firma Ludwig Freytag. Bislang haben seine Mitarbeiter sowie die Arbeitskräfte der anderen Arge-Firmen (Bunte aus Papenburg, Jaeger aus Bernburg) rund 4000 Glasscheiben, 50 000 Tonnen Beton und Mauerwerk sowie 18 000 Tonnen Stahl ausgebaut.
In die Kellergeschosse waren im März 2006 von der Rasteder Firma Colcrete-von Essen 80 000 Kubikmeter Sand mit einem Gewicht von 144 000 Tonnen eingespült worden, um die „Schwarze Wanne“ genannte Fundamentschale zu beschweren. Ein Aufschwimmen hätte den Grundwasserspiegel auf der Spreeinsel verändert und historische Gebäude in der Nachbarschaft gefährdet.
„Wenn die Treppenhäuser weg sind, werden noch einmal 20 000 bis 40 000 Kubikmeter Sand aufgefahren, um die Baugrube aufzufüllen“, kündigt Möller an. Bis dahin aber muss noch ein Schwergewicht von Bagger seine Arbeit verrichten. Für die Woche nach dem 21. Oktober ist die Ankunft eines Baumaschinen-Monstrums angesagt: Ein „Longfront-Bagger“ vom Typ Caterpillar CAT 5080 soll dann per Schwertransport nach Berlin gebracht werden. An seinem 40 Meter langen Ausleger ist eine hydraulische Zange befestigt, die die einzelnen Türme von oben nach unten „abknabbert“. „Pro Turm wird der Bagger eine Woche brauchen“, meint Möller. Geliefert wird das 45-Tonnen-gerät von der Firma Freimuth aus Bülkau (Kreis Cuxhaven) – wieder einer Firma aus dem Nordwesten, die beim Palast-Rückbau zum Zuge kommt. Der Einsatz des Super-Baggers kostet laut offizieller Preisliste der Firma 260 Euro – pro Stunde. Dennoch sind diese Spezialgeräte hoch begehrt. Nach Auskunft der Firma Freimuth sind ihre beiden
Longfront-Bagger europaweit bei Abbrucharbeiten im Einsatz.
Wenn der Bagger sein Werk pünktlich vor Weihnachten beendet haben wird, müssen noch einmal rund 10 000 Tonnen Betonschutt abtransportiert werden. Danach kann mit dem Füllen der Baugrube begonnen werden. Verläuft – diesmal – alles nach Plan wird im Februar/März 2009 vom ehemaligen Palast der Republik nichts mehr zu sehen sein. Drei Jahre Ab-Baugeschichte finden dann ihr Ende.
