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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Und Martin Schulz hockt blass daneben

23.01.2018

Berlin Der Tag danach. SPD-Chef Martin Schulz sitzt am Montagmorgen im Saal der SPD-Fraktion. Neben ihm steht Fraktionschefin Andrea Nahles und dirigiert letzte Vorbereitungen für die Sitzung. Schulz hockt blass daneben. Er ist immer noch angeschlagen, ihn plagt eine schwere Erkältung. Die Stimmung bei den Genossen ist gedrückt. Manche sind erschrocken, manche sauer, andere ratlos oder einfach erschöpft.

Am Tag zuvor hat der SPD-Parteitag in Bonn nur mit dünner Mehrheit Ja gesagt zu Koalitionsverhandlungen mit der Union. Für Schulz und die gesamte Führungsriege ist das ein wuchtiger Schlag ins Gesicht, von dem sie sich so schnell nicht erholen werden. Ob Schulz die Demütigung am Ende überstehen wird, ist fraglich.

Nahles hat in Bonn die Rede gehalten, die sich viele vom Parteichef gewünscht hätten – und sich damit auch für künftige Aufgaben empfohlen. In der Sitzung bekommt sie Lob für ihre Wüterei in Bonn. Schulz dagegen muss sich von den Abgeordneten einige Kritik anhören. Es hat sich viel aufgestaut in den vergangenen Wochen.

Nach der Sitzung baut Schulz sich vor Kameras auf und stimmt darauf ein, dass es mit dem Start der Koalitionsverhandlungen noch ein wenig dauern könnte: Nach diesem Parteitag müsse die SPD erst mal beraten, wie sie sich für die anstehenden Gespräche aufstelle. Anders gesagt: Die SPD muss sich sammeln, vom Bonner Schock erholen. Und Schulz muss versuchen, die zerrissene Partei irgendwie zusammenzuführen. Ob er dazu die Kraft hat, ist äußerst ungewiss.

Die SPD-Führung weiß, dass die Groko-Gegner in den eigenen Reihen nicht nur bei den Jusos zu finden sind. Der große Widerwillen gegen eine weitere Große Koalition zieht sich durch die gesamte Partei. Wie groß ist die Autorität eines Parteivorsitzenden noch, der es nicht schafft, mehr als 56,4 Prozent seiner Partei vom eigenen Kurs zu überzeugen?

Schulz ist an einem neuen Tiefpunkt angekommen. Er hat ein Jahr hinter sich, das seinesgleichen sucht. Erst ging es in schwindelerregendem Tempo nach oben, danach fast nur noch bergab. Vom angesehenen Präsidenten des Europaparlaments über den 100-Prozent-Vorsitzenden, die angebetete Kanzler-Hoffnung, die sozialdemokratische Lichtgestalt über den glücklosen Wahlkämpfer bis zum historischen Wahlverlierer und politischen Kehrtwender, dem die eigene Partei entgleitet. Die nächste Station ist ungewiss.

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