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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Reisewarnung Vor Aufhebung: Urlaub auch fern von Balkonien

27.05.2020

Berlin Es kann wieder in die Ferne gehen – zumindest innerhalb Europas Grenzen: Nachdem der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) Gespräche mit europäischen Nachbarstaaten und wichtigen Reiseländern der Deutschen aufgenommen hat, soll die weltweite Reisewarnung durch Reisehinweise ersetzt werden, die für jedes einzelne Land die Risiken zeigen sollen. So sollen Reisen in Staaten und Regionen möglich werden und zugleich die wirtschaftliche Stabilität in den Urlaubsländern sichern. Maas hatte die Reisewarnung am 17. März ausgesprochen – ein bisher einmaliger Schritt.

„Die Bundesregierung strebt an, ab dem 15. Juni 2020 das Reisen in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in Schengen-assoziierte Staaten und in das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland – soweit es die Lageentwicklung erlaubt – wieder zu ermöglichen“, heißt es in einem Eckpunktepapier, das am Dienstag noch zwischen mehreren Bundesministerien abgestimmt wurde.

Die Kriterien

Im Mittelpunkt: gemeinsame Kriterien, die dann mit den Urlaubsländern abgestimmt werden müssen. So gilt eine mit der Situation in Deutschland vergleichbare Infektionslage – genannt sind in dem Papier 50 Fälle pro 100 000 Einwohner kumulativ in den vergangenen sieben Tagen – als eine Voraussetzung. Das ist auch in Deutschland die Alarmschwelle.

Gefordert werden „tragfähige Konzepte“ für den Infektionsschutz – Gesundheitsprotokolle in Hotels und Pensionen mit Abstandsregeln, einer „Atemwegsetikette“, Masken, Belüftung und Desinfektion, aber auch ausreichend Behandlungsplätze für Einheimische und Touristen und Test-Kapazitäten. Die deutschen Auslandsvertretungen könnten bewerten, ob und wie solche Konzepte angewandt werden.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, forderte am Dienstag: „Hygieneregeln sollten möglichst europäisch einheitlich sein.“ Menschen, die zu Risikogruppen gehörten, „müssen weiterhin von der Reisewarnung umfasst sein, solange es keinen breitenwirksamen und zuverlässigen Impfstoff gibt“.

Schwieriger – das zeigt auch der Diskussionsstand – scheint die Frage der Anreise. Unter dem Begriff „Verkehrsdienste“ ist der Passagiertransport mit Flugzeug, Bus oder Bahn gemeint. Auf die betriebswirtschaftliche Gretchenfrage der Unternehmen, wie nah beinander Passagiere in Zeiten von Corona gesetzt werden dürfen, geht das Papier in dem der dpa vorliegenden Sachstand nicht in den Details ein. Erwähnt wird die Forderung nach Mund-Nase-Schutz sowie nach Verfahren, wie Kontaktketten bei einem Infektionsfall nachvollzogen werden können.

Im Flieger den Mittelplatz frei zu halten, lehnt der Bundesverband der deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ab. Die Luft an Bord werde alle drei Minuten komplett ausgetauscht. Spezielle Filter entfernten Bakterien, Viren, Pilze und Staub, argumentiert der Verband.

Die Reaktionen

Die von der Corona-Krise hart getroffene Tourismusbranche begrüßte die Pläne der Bundesregierung. „Dies gibt nicht nur den Unternehmen der Reisewirtschaft eine Perspektive, sondern auch den vielen Deutschen, die sich auf ihren Urlaub zum Beispiel am Mittelmeer freuen“, sagte der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig. Das Sommergeschäft mit Auslandsreisen ist normalerweise die umsatzstärkste Saison der Branche mit etwa 2300 Veranstaltern und mehr als 11 000 Reisebüros in Deutschland. Die Vorbereitungen auf einen Start ins Auslandsreisegeschäft laufen auf Hochtouren.

Der italienische Außenminister Luigi Di Maio machte sich unterdessen für einen Neubeginn des europäischen Tourismus Mitte Juni stark. „Arbeiten wir darauf hin, dass wir am 15. Juni in Europa alle gemeinsam neu starten können: Der 15. Juni ist für den Tourismus ein bisschen der europäische D-Day“, sagte Di Maio dem Fernsehsender Rai am Dienstag.

Der Begriff „D-Day“ leitet sich von der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 ab und steht sinnbildlich für einen bedeutungsschweren Tag. „Deutschland steuert darauf zu, am 15. Juni wieder zu öffnen“, sagte Di Maio, „mit Österreich werden wir arbeiten, und wir arbeiten mit anderen europäischen Ländern.“ Italien will seine Grenzen vom 3. Juni an für Touristen wieder öffnen. Ungewiss ist noch, ob Österreich auch gegenüber Italien öffnet.

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