BERLIN - Die Schweinegrippe-Massenimpfung kommt: Das Bundeskabinett gab am Mittwoch grünes Licht für die bisher größte Impfaktion in Deutschland. Zunächst die Hälfte der gesetzlich Versicherten – bis zu 35 Millionen Bundesbürger – soll von Herbst an freiwillig gegen die Neue Grippe geimpft werden. Ziel ist, dass alle Versicherten einen Anspruch auf kostenlose Impfung bekommen. „Deutschland ist gut vorbereitet“, sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Pro Patient kostet die Impfung 28 Euro.
Rund 12 830 Bundesbürger sind mit der Schweinegrippe infiziert. Seit Montag kamen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts mehr als 300 Fälle dazu, die meisten sind Urlaubsheimkehrer. Die Ministerin appellierte an die Bundesbürger, dass bei der Massenimpfung ab Anfang Oktober erst chronisch Kranke, Schwangere, medizinisches Personal, Polizisten und Feuerwehrleute einen Schutz erhalten. Bund und gesetzliche Krankenkassen haben vereinbart, dass die Kassen die Kosten von bis zu einer Milliarde Euro tragen. Die Privatversicherungen wollen sich laut Schmidt am Finanzierungsfonds beteiligen. Der Impfstoff gegen die Schweinegrippe, der zunächst für 25 Millionen Menschen geordert ist, wird noch getestet.
Mehrbelastung denkbar
Eine Mehrbelastung für Versicherte ist nicht vorgesehen, aber denkbar. „Das kann man nicht ausschließen“, sagte der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz. „Im konkreten Einzelfall kann dies jedoch immer nur die jeweilige Krankenkasse beurteilen.“ Die Kassen haben nach Ansicht von Schmidt genug Geld. Als erste deutsche Kasse hatte die Gemeinsame Betriebskrankenkasse Köln (GBK) vor der geplanten Schweinegrippe-Impfung einen Zusatzbeitrag erhoben.
Die Vorbereitungen in den Ländern, die für die Organisation der Impfung zuständig sind, laufen auf Hochtouren. Vor allem Gesundheitsämter und nicht praktizierende Ärzte sollen die Impfungen nach Angaben von Ulla Schmidt übernehmen.
Streit um Zusatzkosten
Die Kosten für weitere Impfungen über die Hälfte der Versicherten hinaus sollen Bund und Länder aus Steuermitteln tragen. Sie streiten aber noch über die Kostenaufteilung.
Unterdessen hat der Herausgeber des pharmakritischen „Arznei-Telegramms“, Wolfgang Becker-Brüser, die geplante Massenimpfung kritisiert. Der Zeitraum zwischen Erprobung und Vermarktung des Impfpräparats sei viel zu kurz. „Die Dimension des Risikos ist kaum kalkulierbar“, sagte Becker-Brüser dem „Münchner Merkur“.
