Berlin - Es ist eine Generation, die für viele von einem Mädchen repräsentiert wird: der Klima-Aktivistin Greta Thunberg. Seit mehr als einem Jahr geht die 16-jährige Schwedin auf die Straße und hat Schüler auf der ganzen Welt mobilisiert. Passend dazu titelt die neue Shell-Jugendstudie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde: „Eine Generation meldet sich zu Wort“.
Für die vom Ölkonzern Shell finanzierte Studie werden alle vier bis fünf Jahre rund 2500 Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren persönlich befragt. In diesem Jahr zeigt sich auf den ersten Blick ein Widerspruch, der sich bei genauerem Hinsehen aber auflöst. Die Fakten:
Angst und Zuversicht
Auf Platz 1 der Probleme liegt die Angst vor Umweltverschmutzung. 71 Prozent der Befragten fürchten sich davor. Auch haben zwei von drei Jugendlichen Angst vor dem Klimawandel. Das überrascht nicht, schon „Fridays for Future“ hat gezeigt, dass die Jugendlichen dies besonders umtreibt. Aber auch die Angst vor Terrorismus ist hoch, wenn auch seit der letzten Studie im Jahr 2015 zurückgegangen.
Die Ängste stehen im Kontrast zu dem, was die Jugendlichen vom eigenen Leben erwarten. Mehr als die Hälfte blickt optimistisch in die eigene Zukunft und die der Gesellschaft. Der Mitautor der Shell-Jugendstudie Klaus Hurrelmann erklärt dies im Gespräch mit unserem Berliner Büro durch den Aufschwung der vergangenen Jahre. „Sie haben keine beruflichen und wirtschaftlichen Sorgen, weil die Konjunkturlage sehr gut ist.“
Tendenz zu Populismus
Laut der Studie sind neun Prozent der Jugendlichen Nationalpopulisten und weitere 24 Prozent dem Populismus zugeneigt. Besonders hoch ist die Zustimmung zu der Aussage „In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden“, 68 Prozent bejahen dies. Auch stimmt mehr als die Hälfte der Aussage zu „Die Regierung verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit“.
In der Studie heißt es dazu, die Ergebnisse machten deutlich, dass auch Jugendliche für Populismus zugänglich sind. Studienautor Hurrelmann sagte unserem Berliner Büro: „Die jungen Leute erinnern uns daran, dass in einer Demokratie frei diskutiert werden soll.“
Die Haltung zur Politik
Das Engagement für den Klimaschutz unter den Schülern lässt vermuten, dass die Jugendlichen politischer geworden sind. Dies ist aber nicht so. Nur diejenigen, die sich schon vorher für Politik interessierten, tun dies nun verstärkt. Die Zufriedenheit mit der Demokratie ist seit der letzten Befragung auf einem hohen Niveau geblieben.
Dem entgegen steht das niedrige Vertrauen in die Parteien und Politiker. Ganze 71 Prozent sagen, dass sich die Politiker ihrer Meinung nach nicht darum kümmern, was Leute wie die Jugendlichen denken.
Verhältnis zu Eltern
Im Kampf um mehr Klimaschutz kritisieren die Jugendlichen die Älteren der Gesellschaft scharf. Ihnen werden Versäumnisse vorgehalten. Innerhalb der Familien geht es jedoch harmonisch zu. Ganze 92 Prozent sagen, sie kommen mit den Eltern bestens aus oder zumindest mit ihnen klar. Vor allem der Anteil, der sich bestens mit Mutter und Vater versteht, ist gestiegen – seit 2002 von 31 auf 41 Prozent.
Auch würden Dreiviertel der Jugendlichen ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden. In sozialschwachen Verhältnissen sagen aber deutlich weniger Befragte, dass sie den Erziehungsstil ihrer Eltern übernehmen würden.
Das Familienbild
Die Jugendlichen wünschen sich umso eher Kinder, je besser sie sich mit ihren Eltern verstehen. Ihre Vorstellung vom Familienleben lehnt sich an das traditionelle Modell eines Haupternährers an. Danach gefragt, wie sie vorgehen würden, wenn sie 30 Jahre alt wären und ein zweijähriges Kind hätten, sagen 41 Prozent der jungen Männer, sie würden in Vollzeit arbeiten. Nur acht Prozent der jungen Frauen würden dies tun. Sowohl Jungen als auch Mädchen wünschen sich das Modell mit männlichem Hauptverdiener.
Studienautor Hurrelmann sagte, die Jugendlichen seien Realisten und würden sehen, dass unter den heutigen Umständen nicht beide Elternteile voll berufstätig sein könnten.
