BERLIN - Die Reihen der niedersächsischen Delegierten sind nicht zu übersehen auf dem Grünen-Parteitag. Ein knallgelbes Schild Grohnde ist überall weist den Weg. Ein anderes Schild versuchts mit Ironie: Grüße aus Niedersachsen den Atommülldeppen der Nation.
Als Deppen fühlen sich die Delegierten weniger, eher müde. Seit Viertel vor fünf bin ich auf den Beinen, berichtet Peter Meiwald aus dem Ammerland. An den Wänden stapeln sich Reisekoffer. Viele wollen am Abend wieder zurück nach Hause. Die Sitzreihen für Niedersachsen sind zu knapp. Man muss rechts und links mit irgendwo aufgetriebenen Stühlen anbauen.
Dieser Parteitag ist für den Westersteder Meiwald eine Herzensangelegenheit. Dass das Ergebnis zum Atomausstieg der Bundesregierung ganz knapp ausfallen wird, weiß Meiwald schon vor der Abstimmung. Er soll recht behalten, es gibt viele Gegenstimmen. Die Bundespartei spiegelt die Stimmung im Ammerland fast genau wider nur mit umgekehrten Vorzeichen. Die Ammerländer Grünen fordern die Bundestagsabgeordneten Dorothea Steiner und Thilo Hoppe aus der Region zum Nein zum Atomausstiegsgesetz auf. Enddatum müsse spätestens 2017 sein. Mit dem Jahr 2017 war ich bei der Kreismitgliederversammlung fast der Oberrealo, scherzt Meiwald.
Knapp pro Ja votierte der Oldenburger Kreisverband. Von einer historischen Entscheidung, spricht Ex-Bundestagabgeordnete Thea Dückert, die sehr emotional die Debatten verfolgt. Schließlich sei die Atomfrage einfach ein Teil der Grünen-Geschichte.
Neuling in den Reihen aus dem Nordwesten ist Simon Schütte aus Ganderkesee. Der 27-jährige darf zum ersten Mal an einem Bundesparteitag teilnehmen. Man konnte das Knistern im Saal hören, erzählt Schütte hinterher. Für ihn war es eine sehr gute Veranstaltung, bei der die Basis tatsächlich zu Wort kam anders als bei den anderen Parteien. Die Grünen haben sich in Berlin zusammengerauft, findet der Ganderkeseer: Jeder konnte sich frei äußern. Und in seiner Parteitagsbilanz zeigt sich Schütte glücklich, dass jeder mit dem Ergebnis leben kann.
