BERLIN - Der Verein Deutsche Sprache wendet sich gegen sprachlichen Mischmasch. Die Deutsche Bahn gibt sich bereits gesprächsbereit.
von Marc-Oliver Riegen
BERLIN - Wer in Deutschland Intercity fährt, Make-Up-Entferner kauft oder japanische CD-Player zum Laufen bringen will, muss Englisch beherrschen. Ob Hinweisschilder auf Bahnhöfen und Flughäfen, Gebrauchsanweisungen für Dampfbügeleisen oder Werbeprospekte aller Art – die deutsche Sprache hat es zunehmend schwer.Der Schlussverkauf heißt inzwischen „Sale“, Toiletten der Bahn sind zum „WC-Center“ geworden. Die Unions-Fraktion im Bundestag will nun mit einer Initiative für „sprachlichen Verbraucherschutz“ weniger Englisch und weniger Sprach-Mischmasch („Denglisch“) und dafür mehr verständliches Deutsch in den Alltag bringen.
„Wir dürfen es im Lande nicht zulassen, dass Menschen sich ausgegrenzt fühlen und am Alltag nicht mehr teilnehmen können“, betont die CDU-Menschenrechtspolitikerin Erika Steinbach. Die Gebrauchsanweisungen technischer Geräte in Fremdsprachen empfinde sie als „Zumutung für die Verbraucher“. Die Fraktion geht davon aus, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland englische Begriffe nicht richtig oder gar nicht versteht. Die Bundesregierung solle deshalb künftig mit gutem Beispiel vorangehen und Gesetzestexte verständlich formulieren.
Die Deutsche Bahn ist aus Sicht der Unions-Politiker ein Negativbeispiel. „Service Point“, „Carsharing“, oder „Touch & Travel“, das geplante Angebot, das Mobiltelefon als Bahnfahrkarte zu nutzen - Bahn-Kunden müssen Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis stellen. Die Deutsche Bahn verweist auf ihr Profil. „Wir sind ein international agierender Konzern“, unterstreicht ein Bahn-Sprecher.
Im Interesse der Kunden müssten Begriffe auch in Englisch angegeben werden. Die Bahn ist jedoch offen dafür, die Forderung nach verständlicher deutscher Sprache zu prüfen.
Der Verein Deutsche Sprache (www.vds-ev.de) verleiht jedes Jahr den Titel des Sprachpanschers. 2006 traf es Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), weil er Englisch als Arbeitssprache bezeichnet hatte und die deutsche Sprache nur Familie und Freizeit vorbehalten sah. „Wir sind keine Fremdwortjäger“, sagt Vereinsvorstand Menno Aden. „Wir wollen die deutsche Sprache im eigenen Land wieder verständlich machen.“ Die Aktion „Lebendiges Deutsch“ sucht nach treffenden deutschen Wörtern für englische Begriffe. Aus fast 5000 Vorschlägen wählten die Sprachschützer zum Beispiel den Begriff „E-Müll“ für die leidigen Spam-Mails.
Es gibt inzwischen auch Gegenbeispiele, bei denen sich englische Sprüche etwa aus der Werbung verabschiedet werden. So zum Beispiel „Come in and find out“ einer Parfüm-Filialkette, die inzwischen mit dem Zusatz „macht das Leben schöner“ wirbt. Das Problem des Übersetzens zeigt sich auch an einem Beispiel der Bahn: „Touch & Travel“ wird dort spaßeshalber mit „Fummeln und Fahren“ übersetzt.
