BERLIN - Der Aufstieg von Liz Mohn und Friede Springer weist viele Parallelen auf – nun schickt sich Ursula Piëch an, in ihre Fußstapfen zu treten.

Am Beginn stand eine Liebesgeschichte, die am Ende Frauen wie Liz Mohn und Friede Springer in entscheidende Positionen mächtiger Konzerne brachte. Deren Männer waren einst visionäre Unternehmer, die Witwen setzen ihr Erbe fort. In der Familie Piëch bahnt sich nun ein ähnlicher Weg an: Ursula Piëch, Ehefrau des VW-Patriarchen Ferdinand, soll in den Aufsichtsrat des Autobauers gewählt werden – bei Volkswagen gilt sie schon längst als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten.

Die Geschäfte der Konzerne führen zwar Manager, doch die Powerfrauen haben entscheidende Positionen inne. So steht zum Beispiel bei Bertelsmann Vorstandschef Thomas Rabe an der Unternehmensspitze. Liz Mohn gilt jedoch als die einflussreiche Matriarchin des Medienriesen mit rund 100 000 Mitarbeitern. Rabe ist der Konzernstratege, doch wichtige Personalentscheidungen gegen den Willen von Liz Mohn gelten als undenkbar.

Bei allen unterschiedlichen Lebenswegen dieser Frauen gibt es viele Parallelen: Die Männer – Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn und Verleger Axel Springer – waren deutlich älter, dies gilt auch für Ferdinand Piëch. Für Mohn, Springer und Piëch war es zudem nicht die erste Ehe.

Liz Mohn (70), Friede Springer (69) und auch Ursula Piëch (55) war ihr Aufstieg nicht in die Wiege gelegt: Liz Mohn lernte ihren Mann als Bertelsmann-Telefonistin auf einem Betriebsfest kennen. Friede Springer, Tochter eines Gärtnermeisters, gelangte über eine Zeitungsanzeige als Kindermädchen in den Haushalt von Axel Springer, der sich in sie verliebte. Ursula Piëch wiederum, die seit 1984 mit Ferdinand Piëch verheiratet ist, leitete einst einen Kindergarten und war dann Kindermädchen bei den Piëchs.

Künftig also werden Ursula und Ferdinand Piëch gemeinsam zu den Sitzungen des VW-Aufsichtsrats nach Wolfsburg reisen. Dabei hat die 55-Jährige bereits eine starke Stellung inne: In Stiftungen, auf die Ferdinand Piëch sein Firmenvermögen übertragen hat, ist sie die Stellvertreterin ihres Mannes und beschäftigt sich bereits seit langem mit den Beteiligungen, zu denen unter anderem Aktien an der Porsche SE, dem Mehrheitsaktionär von Volkswagen, gehören.

Im VW-Konzern weiß man, dass Ursula Piëch nicht unterschätzt werden sollte. Sie habe innerhalb der Familien Porsche und Piëch, die bei der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und VW im Clinch lagen, eine vermittelnde Rolle eingenommen, heißt es bei Insidern.

Auch bei wichtigen Entscheidungen – zum Beispiel über neue Modelle – spreche die eloquente Blondine ein Wörtchen mit.