BERLIN/WASHINGTON - Die gesamten USA sind vom Wahlkampffieber gepackt. Diesen Eindruck vermitteln die Medien in diesen Tagen. Dabei scheint es eine Ausnahme zu geben: Washington D.C. „Von Straßenwahlkampf und Plakaten ist hier nichts zu sehen“, erklärt Eckart von Klaeden, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der sich bis Mittwochabend zu politischen Gesprächen in der US-Hauptstadt aufhielt. Oberflächlich betrachtet geht man dort dem Tagesgeschäft nach. Doch unter der Oberfläche beherrscht der Vorwahlkampf natürlich die Diskussionen in Washington.
Welche Auswirkungen hat der Wechsel im Weißen Haus für Deutschland? „Jeder neu gewählte Präsident sieht eine Chance für einen Neuanfang“, sagt der Niedersachse. Sollte etwa der Republikaner John McCain gewählt werden, der seit Dienstag als Favorit seiner Partei gilt, erwartet der CDU-Politiker aber „keinen fundamentalen Politikwechsel, was die Felder der gemeinsamen Außenpolitik angeht.“
Anders sieht es bei den demokratischen Kandidaten Hillary Clinton und Barack Obama aus. „Beide betonen stärker den multilateralen Ansatz. Sie würden stärker auf die Verbündeten der USA zugehen“, meint von Klaeden. „Das bedeutet aber nicht nur Konsultationen. Sie würden auch von den Verbündeten einen größeren Beitrag verlangen.“ Beispiel Afghanistan: Hier könne man nicht ausschließen, dass an Deutschland noch weitergehende Forderungen von Seiten der Amerikaner gestellt werden, als es die Bush-Regierung derzeit tut, so der CDU-Politiker, der Deutschland vor möglicherweise schwerwiegende Entscheidungen gestellt sieht: „Wenn man von deutscher Seite mehr Multilateralismus wünscht, muss man auch bereit sein, seinen Beitrag dazu zu leisten.“ Weitere Felder, in denen deutsches Engagement gefordert werden könnte, etwa im Irak, sieht von Klaeden jedoch nicht.
Der Regierungskoordinator für die Zusammenarbeit mit den USA, Karsten Voigt (SPD), sieht neue amerikanische Forderungen auf die Europäer zukommen. Unter den aussichtsreichen Präsidentschaftsbewerbern denke niemand daran, die Deutschen von internationalen Verpflichtungen zu entlasten. Es gebe nur leichte Unterschiede zwischen dem Republikaner John McCain und den Demokraten Hillary Clinton und Barack Obama.
