• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Grünen–parteitag: Raus aus Schatten des Juniorpartners

16.11.2019

Bielefeld Am Ende hält es niemanden auf seinem Stuhl. Stehende Ovationen für Robert Habeck und seine Rede, kaum dass der Parteitag in der Bielefelder Stadthalle am Freitag begonnen hat.

Der Grünenchef stimmt kurzerhand den Abgesang auf Kanzlerin Angela Merkel an, und die Delegierten sind begeistert. „Die Ära Merkel geht erkennbar zu Ende“, ruft er und bekräftigt den Gestaltungswillen seiner Partei, macht deutlich, dass sie wieder regieren will. Es gehe darum, „aus dem Kleinklein“ herauszukommen, „neue Räume aufzutun“ und „Perspektiven aufzuzeigen“ in einer Zeit dringlicher Probleme. Weg vom Weiter so, hin zu „einer Politik der Ermöglichung“, so seine Botschaft.

Beifall auch schon zu Beginn – Annalena Baerbock und Robert Habeck, das Erfolgsduo der Partei strahlt Seite an Seite von der Bühne, will „gemeinsam Hallo sagen“, und die Delegierten in der Bielefelder Stadthalle jubeln. Auftakt zum dreitägigen Parteitag, auf dem die Weichen für eine mögliche Regierungsbeteiligung im Bund gestellt werden sollen.

Eigentlich haben sie allen Grund zum Feiern, könnte es ein Partyparteitag werden. Schließlich liegen „die beiden besten Jahre“ in der Geschichte der Partei hinter ihnen, wie Bundesgeschäftsführer Michael Kellner schwärmt. Die Flügelkämpfe von einst scheinen Geschichte zu sein. Das Führungsduo steht auf der Beliebtheitsskala der Politiker weit oben.

Die Grünen erleben einen Höhenflug, eine Serie von Erfolgen in den Bundesländern und bei der Europawahl, in den Umfragen liegen sie aktuell bei 22 Prozent dicht hinter der Union. Längst sind die Grünen für die Union der politische Mitbewerber Nummer Eins geworden.

Und die Zahl der Mitglieder stieg von 75 000 auf 94 000. Doch tritt das Spitzenpersonal der Partei auf die Euphoriebremse. „Das wird ein Arbeitsparteitag“, erklärte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Ausgerechnet in Bielefeld, dort wo vor 20 Jahren dem damaligen Außenminister Joschka Fischer ein Farbbeutel das Trommelfell lädierte und nicht wenige Delegierte wegen des Bundeswehreinsatzes im Kosovo lieber raus aus der Regierung wollten. Die Mehrheit entschied zu bleiben, auch wenn diese Politik nur schwer mit grünen Prinzipien zu vereinbaren war. Zwei Jahrzehnte später geht es ruhiger und friedlicher zu.

Ökonomie

Plötzlich hat Parteichef Habeck die Ökonomie entdeckt, will seine Partei zur Vorreiterin einer „sozial-ökologischen Marktwirtschaft machen“ und Ludwig Erhards Politik einen grünen Anstrich verleihen. Das Thema steht in Bielefeld zwar nur am Ende der Tagesordnung, doch soll es auf dem Parteitag eine wichtige Rolle spielen. Der Klimaschutz steht natürlich weiter im Mittelpunkt, auch auf dem Kongress. „Mehr wagen, um nicht alles zu riskieren“, steht der Parteitags-Slogan in großen Lettern auf der Hallenwand geschrieben. Mehr wagen will die Partei vor allem auch beim Klimaschutz.

Wohnraum

Bereits zu Anfang widmete man sich in Ostwestfalen dem Thema Wohnen. Ginge es nach den Grünen, würde ein Grundrecht auf Wohnen in die Verfassung aufgenommen. Grundstückseigner, die nicht bauen wollen, sollen notfalls enteignet werden.

Wahlen

An der Wiederwahl des grünen Erfolgsduos Robert Habeck und Annalena Baerbock am heutigen Samstag gibt es keinen Zweifel. 81 Prozent der Stimmen hatte der Grünenchef 2018 erhalten, Baerbock kam auf 64 Prozent. Da ist noch Luft nach oben.

Seit die beiden im Januar 2018 die Führung übernahmen, läuft es bei der Partei. Plötzlich ist sogar von einer Kanzlerkandidatur die Rede, träumen die Grünen davon, in der nächsten Bundesregierung nicht nur Juniorpartner zu sein. Alles nur ein Hype, ein vorübergehender Höhenflug, mitgetragen von der Fridays-for-Future-Bewegung oder eine nachhaltige Entwicklung? Oder stürzen sie kurz vor der nächsten Wahl wieder einmal ab? Bei den Umfragen scheint das Potenzial aktuell ausgereizt zu sein.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.