Hannover - Die Vorbereitungen haben monatelang gedauert, bei den Abläufen sollte es möglichst keine Fehler geben. Um acht Uhr öffnen an diesem Sonntag die Wahllokale in Niedersachsen. Dann sind rund 6,1 Millionen Niedersachsen dazu aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen. Die Wahl hat bundespolitisch eine große Bedeutung. Das Medieninteresse ist riesig, das Interesse der Bürger dagegen noch ungewiss. Meinungsforscher rechnen mit einer mäßigen Beteiligung.
Landeswahlleiterin Ulrike Sachs hat deshalb in dieser Woche noch einmal an die Bürger appelliert, ihre Stimme abzugeben. „Wir hoffen, dass es eine Trendwende gibt“, sagte Sachs. Das Rekordtief von 57,1 Prozent von 2008 müsse überboten werden. Über Wahlplakate und Medien seien die Bürger gut informiert worden. Auch die Kälte sei keine Ausrede: „Das Wetter wird auch nicht so schlecht, dass man nicht einen schönen Winterspaziergang machen kann.“
Zur Landtagswahl treten insgesamt 16 Parteien an, davon elf mit Landeslisten und fünf nur mit Direktbewerbern. Insgesamt gehen 659 Kandidaten ins Rennen um ein Mandat, aus den Wahlkreisen kommen davon 584. Die übrigen haben sich nur über die Landeslisten beworben.
Jüngster Bewerber ist der 18-jährige Torben Franz, der sich in Nienburg für die Linken um ein Direktmandat bewirbt. Ältester Kandidat ist mit 86 Jahren der von der Rentnerpartei Bündnis 21/RPR aufgestellte Walter Mehring aus Laatzen bei Hannover. Am Sonntag sind insgesamt rund 83 000 Wahlhelfer im Einsatz.
Dem Landtag gehören kraft Gesetzes 135 Abgeordnete an. Davon werden 87 in den Wahlkreisen und 48 nach den Landeswahlvorschlägen gewählt. Die Gesamtzahl der Sitze im nächsten Landtag kann sich durch Überhangmandate und Ausgleichsmandate erhöhen.
In jedem Wahlkreis ist gewählt, wer die meisten Erststimmen auf sich vereinigt hat. Von den jeder Partei zustehenden Sitzen werden die in den Wahlkreisen errungenen Mandate abgezogen. Die verbleibenden Sitze werden entsprechend der Reihenfolge der Bewerberinnen und Bewerber auf dem Landeswahlvorschlag vergeben.
Bei der Sitzverteilung auf die Landeswahlvorschläge gilt eine Sperrklausel. Das heißt, es werden nur Parteien berücksichtigt, die mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen im gesamten Land Niedersachsen erhalten haben.
Wahlberechtigt für die Landtagswahl 2013 ist, wer Deutscher ist, am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet und seit drei Monaten einen Wohnsitz ununterbrochen im Land Niedersachsen hat.
Die Landtagswahl ist auch eine technische Herausforderung. Um am Wahlabend aus dem Landtag senden zu können, verlegen die Fernsehsender über 20 Kilometer Kabel. Die technischen Vorbereitungen begannen bereits am Montag, sagt Landtagssprecher Kai Sommer. Um den enormen Energiehunger zu stillen, wurden vorübergehend auch Starkstromleitungen verlegt.
Sommer rechnet am Wahlabend mit rund 1200 Medienvertretern. Angekündigt haben sich auch Journalisten aus Spanien, China und Anatolien. „Wir werden am Wahlabend von Übertragungswagen umzingelt sein“, sagt der Landtagssprecher. Insgesamt haben sich fast 2000 Personen für Sonntagabend im Landtag angemeldet, so viel wie nie bei einer Wahl.
Die großen Parteien haben zu zentralen Wahlpartys nach Hannover eingeladen. Die CDU etwa hat eine Halle gemietet, die rund acht Kilometer von Stadtzentrum entfernt in einem Vorort liegt. Die SPD fiebert im Alten Rathaus, direkt am Landtag. Die Wahllokale schließen um 18 Uhr.
