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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Bischofskonferenz: Neuer Kirchenführer gesucht

02.03.2020

Bonn Mit dieser Ansage hatte kaum jemand gerechnet: weder die Mitarbeiter im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn noch die rund 70 Bischöfe und Weihbischöfe, die sich vom diesem Montag bis zum 5. März zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Mainz treffen.

In einem Brief teilte der Münchner Kardinal Reinhard Marx mit, dass er bei der turnusmäßigen Wahl zum Konferenz-Vorsitzenden nicht erneut zur Verfügung stehe. „Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen“, begründete der 66-Jährige seinen Schritt.

Ein Generations- und Stilwechsel steht dem Zusammenschluss der Bischöfe damit möglicherweise bevor. Gesucht wird ein Nachfolger für Marx, der mal hemdsärmelig, mal diplomatisch, aber immer mit guten Kontakten zum Papst gesegnet, die Interessen und Anliegen seiner Mitbrüder in der Öffentlichkeit vertrat.

Auch Marx’ Stellvertreter, der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, ließ bereits anklingen, nicht für eine Nachfolge von Marx zur Verfügung zu stehen. Und so scheint völlig offen, wer am 3. März als Nachfolger von Marx vor die Presse treten wird. Das Interesse der Medien an dem Treffen ist groß. Was auch mit den anderen Themen zusammenhängt, die im geschichtsträchtigen Erbacher Hof verhandelt werden.

Missbrauchsskandal

Befassen wollen sich die Bischöfe mit der weiteren Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Dahinter dürfte sich unter anderem die seit Langem offene Frage von Entschädigungszahlungen verbergen. Eine Arbeitsgruppe hatte dazu zwei Modelle vorgeschlagen: eine Pauschale von rund 300 000 Euro pro Opfer oder ein abgestuftes Verfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40 000 und 400 000 Euro gezahlt werden könnte.

Beide Modelle werden vor allem in den weniger reichen Bistümern als unverhältnismäßig betrachtet. Zuletzt äußerte sich jedoch der Trierer Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz, zuversichtlich, dass es „in den nächsten Monaten“ Klarheit über den künftigen Kurs geben werde.

Synodaler Weg

Der Missbrauchsskandal mit seinen Folgen war ein wichtiger Auslöser für den Synodalen Weg zur Zukunft des kirchlichen Lebens in Deutschland. Bischöfe und Laien wollen mit der auf zwei Jahre angelegten Initiative verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Vor einigen Wochen fand die erste Synodalversammlung in Frankfurt statt. Nun wollen die Bischöfe eine Bilanz des streckenweise aufsehenerregenden Auftakts ziehen. Dabei dürfte es zu einer Aussprache zwischen einer eher konservativen Minderheit um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Befürwortern des Synodalen Wegs kommen.

Ins 40 Kilometer entfernte Frankfurt richtet sich auch der Blick der Bischöfe, wenn es um den Planungsstand beim Ökumenischen Kirchentag geht. In der Messestadt soll 2021 das von katholischer und evangelischer Kirche veranstaltete Großereignis stattfinden.

Papstschreiben

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einer Analyse des Papstschreibens zur Amazonas-Synode. In seinem jetzt vorgelegten Papier lehnte Franziskus Weiheämter für Frauen vorerst ab und ging auf die von der Weltbischofssynode angeregte Lockerung beim Priester-Zölibat nicht ein.

Hoffnungen auf Reformen verpasste der Papst damit einen Dämpfer. Zugleich würdigten viele Beobachter den Einsatz des Kirchenoberhaupts für Umwelt und Menschenrechte in Südamerika.

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