BONN/HANNOVER/BREMEN - BONN/HANNOVER/BREMEN - Frische Vollmilch mit einem Fettgehalt von 3,5 Prozent trinkt die Mehrzahl der Deutschen im Milch-Segment immer noch am liebsten. Aber auch Milchmischgetränke haben sich auf dem Markt etabliert. „Schoko, Banane oder Erdbeer?“, lautete hier einst die alles entscheidende Frage in einem Werbespot für die Marke Müllermilch.

„Bei der Frucht-Buttermilch sind Erdbeere, Kirsch, Orange und Banane die Klassiker“, bestätigt Hermann Cordes, Pressesprecher beim Molkereiriesen Nordmilch (Bremen), der im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden Liter Milch verarbeitete. Doch die Verbraucher lassen sich nicht nur die klassischen Geschmacksrichtungen schmecken, sondern probieren auch Neues aus. Dazu zählen aus dem Hause Nordmilch exotische Fruchtmischungen wie Trinkmolke der Marke Milram in der ausgefallenen Geschmacksrichtung „Grüntee mit Papaja-Mango“. „Wenn ich diese Vitality-Molke trinke, soll das nicht nur den Durst löschen, sondern auch das Wohlbefinden fördern“, so Cordes über die Molke-Drinks „für die Wellness-Generation“.

Das veränderte Ernährungsbewusstsein der Verbraucher schlägt sich auch in den Produktsortimenten der Molkereien nieder. „Der Trend geht weg vom Fett“, sagt Kristine Kindler von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen. Allerdings führen die kalorienreduzierten Produkte so manchen Käufer in die Irre. „Bei Fertigprodukten wird häufig nur geguckt, ob sie wenig Fett enthalten“, so die Molkerei-Ingenieurin Kindler. Der Zuckeranteil bliebe oft unbeachtet.

„Die Verbraucher möchten eine Kombination aus ,gesund ernähren‘, ,fit bleiben‘, ,gut schmecken‘, ,frisch sein‘ und ,in der Handhabung möglichst einfach‘“, umschreibt Viola Steinbis von der CMA, der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft in Bonn das Anforderungsprofil an das perfekte Milchmischgetränk.

„Molke ist ganz groß im Kommen“, so die CMA-Produktmanagerin für Milch und Milchprodukte. Die relativ fettarmen Molke-Drinks würden laut Kristine Kindler neben Fruchtgetränken wie Apfel- oder Orangensaft einsortiert. „Der Boom von Wasser und isotonischen Getränken ist ungebrochen, doch daneben etablieren sich immer mehr die Molke-Drinks“, sagt Kindler. Insbesondere Sportler sollen die wohlschmeckenden Durstlöscher auf Molkebasis ansprechen.

Dominieren im Sommer Frucht-Kombinationen wie Erdbeer-Rhabarber oder Pfirsich-Maracuja, füllen im Winter saisonal bezogene Produkte mit Geschmacksrichtungen wie Holunder oder Apfelstrudel die Regale.

Ein weiterer Trend auf dem Milchmarkt: ESL (Extended Shelf Life)-Milch. Zu Deutsch: Milch mit verlängerter Haltbarkeit. „Diese längerfrische Milch ähnelt vom Geschmack her eher der frischen Milch“, sagt Steinbis. Der große Vorteil: Obwohl keine H-Milch, ist die „Länger-Frisch-Milch“ bis zu drei Wochen haltbar. Frischmilch hält sich im Kühlschrank dagegen höchstens acht bis zehn Tage.

Was alle Milchprodukte eint: Sie müssen einfach zu handhaben und praktisch sein, sonst haben sie auf dem Markt keine Chance. Längst hat das Tetrapack der Schlauchmilch den Rang abgelaufen. Milchtüten mit Schraubverschluss? Fast schon ein alter Hut. „Stichwort Convenience: Gefragt sind Molke-, Buttermilch- und Joghurt-Drinks, die man zwischendurch verzehren und wieder verschließen kann“, sagt die Produktexpertin Steinbis.

Doch das Potenzial für weitere Innovationen ist längst nicht ausgeschöpft. So verkauft Milram seinen „Vitality Buttermilch Drink“ seit Anfang Mai in einer viereckigen Kartonflasche mit Drehverschluss zum Wiederverschließen. „Den klassischen 0,5-Liter-Becher, bei dem man im Auto nicht weiß, wo man ihn lassen soll, wird es bald nicht mehr geben“, kündigt Nordmilch-Sprecher Cordes an. Na dann, Prost!