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NWZonline.de Nachrichten Politik Hintergrund

Furchtbarster Ort der Geschichte

21.01.2019

Bonn Auschwitz, das ist wohl der furchtbarste Name, den die deutsche Geschichte kennt. Was zwischen 1940 und 1945 in der größten Menschenvernichtungsanlage der Nazis passierte, hatte die Welt bis dahin nicht gesehen: den industrialisierten Massenmord im Fließbandverfahren. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die letzten rund 7000 Häftlinge. Seit 1996 begeht die Bundesrepublik an diesem Tag den Holocaust-Gedenktag. 2006 wurde der Gedenktag auf Beschluss der Vereinten Nationen auch weltweit in den Kalender übernommen.

Bis zu eineinhalb Millionen Menschen kamen im Stammlager Auschwitz und den Nebenlagern Birkenau und Monowitz sowie den weiteren rund 40 Außenlagern um: meist Juden, aber auch Sinti und Roma, Polen und russische Gefangene. Als sich die Rote Armee im Januar 1945 dem gut 60 Kilometer von Krakau entfernt gelegenen Lager näherte, hatte die SS bereits versucht, die Spuren der Vernichtung zu beseitigen. Doch das misslang: Die sowjetischen Soldaten fanden unter dem Schnee nicht nur die Spuren der Krematorien, sondern auch noch sechs Warenlager, in denen sich die Habseligkeiten der Häftlinge stapelten: fast 350 000 Anzüge von Männern und rund 840 000 Frauenkleider – sowie Berge von Frauenhaar und Zahngold.

Anfang 1940 hatte der „Reichsführer SS“, Heinrich Himmler, in dem Städtchen Oswiecim ursprünglich ein Lager für polnische Widerstandskämpfer geplant. Doch der Ehrgeiz deutscher Industrieller trieb die SS dazu, aus den vor Ungeziefer strotzenden Kasernen eine Rüstungszentrale aufzubauen: Die IG Farben wollte ihre Kunstkautschuk-Produktion durch ein neues Buna-Werk erhöhen – und der SS kam das gelegen, um sich eine Vormachtstellung in der deutschen Wirtschaft zu sichern.

Für ein paar Mark pro Tag wurden die Häftlinge an die IG Farben „vermietet“. Fortan kamen immer mehr Gefangene: In das schon für 8000 Häftlinge viel zu enge Stammlager ließen Himmler und sein Lagerkommandant Rudolf Höß etwa 130 000 Häftlinge pferchen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion entstand in Birkenau ein eigenes Kriegsgefangenenlager, das für 100 000 Häftlinge vorgesehen war.

Zur Todesfabrik entwickelte sich Auschwitz endgültig ab Herbst 1941, als Adolf Hitler mit Blick auf den stockenden Russland-Feldzug und den absehbaren Kriegseintritt der USA immer neue Drohungen gegen die Juden ausstieß. Ab Juli 1942 wurde die „Selektion an der Rampe“ eingeführt. Direkt aus den Güterzügen wurden die zur Vernichtung ausgewählten Menschen in die Gaskammern gebracht und mit Zyklon B ermordet. Den nicht sofort für den Tod bestimmten Häftlingen erging es kaum besser: „Vernichtung durch Arbeit“ hieß die Devise. Andere wurden Opfer von medizinischen Versuchen, die unter anderem der Lagerarzt Josef Mengele durchführte.

„Wohl war dieser Befehl etwas Ungewöhnliches, Ungeheuerliches“, schrieb Lagerkommandant Höß im Rückblick angesichts der Himmler- Anweisung, Auschwitz in eine Menschenvernichtungsmaschine zu verwandeln. Höß wurde 1947 hingerichtet. „Doch die Begründung ließ mir diesen Vernichtungsvorgang richtig erscheinen. Ich stellte damals keine Überlegungen an – ich hatte den Befehl bekommen, und ich hatte ihn durchzuführen.“ Ähnlich argumentierten viele der zeitweise über 4000 Männer und Frauen zählenden Wachmannschaft aus den Reihen der SS – bis heute.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit verdrängten die Deutschen das Geschehen. Selbst die fünf Frankfurter Auschwitz-Prozesse in den 1960er und 70er Jahren konnten die Aufmerksamkeit nur wenig erhöhen. Erst die Studentenbewegung und eine scheinbar triviale amerikanische Fernsehserie veränderten die Situation: Mit „Holocaust“ wurde Ende der 70er Jahre lange Verschüttetes freigelegt. Gerade ist die Serie in einigen dritten Programmen in Deutschland wiederholt worden.

Mittlerweile bewerten Staatsanwälte und Gerichte auch die Rolle von KZ-Personal anders: Demnach hat sich schuldig gemacht, wer Teil der Tötungsmaschine war. Der Nachweis einer Beteiligung an einer konkreten Tat ist damit nicht mehr nötig. Diese Rechtsauffassung wurde im Fall des 2015 verurteilten „Auschwitz-Buchhalters“ Oskar Gröning 2016 in einer historischen Entscheidung vom Bundesgerichtshof bestätigt.

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