Bonn - Die wirtschaftliche Entwicklung und soziale Sicherheit in Ost und West bestimmen den Wahlkampf 1994. Bei der zweiten gesamtdeutschen Bundestagswahl sichert Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) seiner schwarz-gelben Koalition den Machterhalt, allerdings nur knapp. Er zeigt sich froh, noch einmal davongekommen zu sein: „Mehrheit ist Mehrheit!“ Die SPD schickt den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Rudolf Scharping als vierten Kanzlerkandidaten seit 1983 gegen Kohl ins Rennen und gewinnt leicht hinzu.
„Sicher in die Zukunft. CDU“ lautet die selbstbewusste Parole der Kanzler-Partei. Doch zu Jahresbeginn sehen Umfragen die Union bei unter 35 Prozent. Auch Koalitionspartner FDP muss zittern. FDP-Chef Klaus Kinkel meint mit Blick auf den Kanzler: „Der Dicke schafft es nicht allein.“ Die wirtschaftlichen Probleme beim Aufbau Ost und die weit mehr als drei Millionen Arbeitslosen sind nicht wegzudiskutieren. Noch Mitte des Jahres liegt SPD-Kanzlerkandidat Scharping bei den Sympathiewerten deutlich vor Kohl.
Wahlergebnis am 16. Oktober 1994: CDU/CSU 41,4 Prozent; SPD 36,4; Grüne 7,3; FDP 6,9; PDS 4,4 (wegen vier Direktmandaten im Parlament); Sonstige 3,6; Mandate der Koalition von CDU/CSU und FDP: 341 von 672.
